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title: "Der Bumerang im Kaffee: In der EU verbotene Pestizide kehren über Importe zurück"
description: "Wirkstoffe, die in Europa aus Gesundheitsgründen verboten sind, werden weiter produziert und exportiert. Über Kaffee, Tee und Gewürze finden Spuren den Weg zurück auf europäische Teller. Was Verbraucher wissen sollten und wie die Belastungen einzuordnen sind."
category: "Wissenschaft"
category_url: https://weltturm.de/kategorie/wissenschaft
author: "Mia Köhler"
published: 2026-07-02T05:55:14.000Z
updated: 2026-07-02T05:55:14.000Z
canonical: https://weltturm.de/artikel/der-bumerang-im-kaffee-in-der-eu-verbotene-pestizide-kehren-ueber-importe-zuruec
tags: ["Pestizide", "Lebensmittelsicherheit", "Kaffee", "EU", "Verbraucherschutz"]
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# Der Bumerang im Kaffee: In der EU verbotene Pestizide kehren über Importe zurück

Wirkstoffe, die in Europa aus Gesundheitsgründen verboten sind, werden weiter produziert und exportiert. Über Kaffee, Tee und Gewürze finden Spuren den Weg zurück auf europäische Teller. Was Verbraucher wissen sollten und wie die Belastungen einzuordnen sind.

Ein Kaffee am Morgen, ein Tee am Nachmittag, ein wenig Gewürz im Essen: alltäglicher geht es kaum. Doch ausgerechnet in diesen importierten Genussmitteln finden Kontrolleure überdurchschnittlich häufig Spuren von Pestiziden, die in der Europäischen Union längst verboten sind. Der Grund dahinter ist ein Kreislauf, der viel über die Widersprüche des globalen Handels verrät.

## Ein Kreislauf, der Verbraucher betrifft

Pestizide, die in der EU wegen ihrer Risiken für Gesundheit oder Umwelt nicht mehr eingesetzt werden dürfen, verschwinden damit nicht vom Markt. Chemieunternehmen mit Sitz in der EU dürfen solche Wirkstoffe weiterhin herstellen und in Länder außerhalb der Union verkaufen. Nach Auswertungen des [Pesticide Action Network und der Heinrich-Böll-Stiftung](https://www.boell.de/de/2026/01/07/pestizide-der-eu-verboten-von-konzernen-exportiert) wurden 2024 rund 122.000 Tonnen in der EU verbotener Pestizide für den Export genehmigt – mehr als doppelt so viel wie 2018. Ein erheblicher Teil stammt aus Deutschland.

In den Anbauländern landen diese Mittel auf Plantagen für Kaffee, Tee, Kakao, Bananen oder Gewürze. Über den Import dieser Lebensmittel gelangen Rückstände zurück in die EU. Fachleute sprechen von einem Bumerang-Effekt.

## Was in Kaffee und Tee gefunden wird

Eine Auswertung von rund 48.000 Proben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit durch [PAN Europe](https://www.pan-europe.info/node/3975) zeigt, dass importierte Lebensmittel etwa doppelt so häufig Spuren EU-weit verbotener Pestizide tragen wie heimische Ware. Bei Tee waren es demnach 38,3 Prozent der Proben, bei Kaffee 22,7 Prozent, bei Gewürzen 12,5 Prozent. Bei Kaffee stieg der Anteil belasteter Proben über das vergangene Jahrzehnt deutlich an.

Zu den am häufigsten nachgewiesenen Stoffen zählen Neonicotinoide wie Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin. Diese Insektengifte gelten als schädlich für Bienen und sind in der EU seit 2018 im Freiland verboten, werden aber weiterhin exportiert. Damit sind sie das am besten belegte Beispiel für den geschilderten Kreislauf.

Ein [Labortest von foodwatch](https://www.foodwatch.org/de/test-verbotene-pestizide-in-unserem-essen) vom Mai 2026 fand in 13 von 19 in Deutschland untersuchten Produkten Spuren in der EU verbotener Pestizide. In einer Kreuzkümmel-Probe lag der Gehalt des Wirkstoffs Flamprop nach Angaben der Organisation um das 217-Fache über dem zulässigen Höchstwert. Zwei Grüntee-Marken enthielten demnach jeweils zwei verbotene Substanzen.

## Grenzwerte einordnen

Ein Nachweis bedeutet nicht automatisch eine akute Gesundheitsgefahr. Für Pestizidrückstände gelten in der EU gesetzliche Höchstmengen, die mit Sicherheitsabständen festgelegt werden, und viele der gefundenen Spuren liegen unterhalb dieser Grenzwerte. Kritisch sind vor allem klare Überschreitungen wie beim Kreuzkümmel – sowie der Umstand, dass für Importware teils Rückstände von Stoffen toleriert werden, die im EU-Anbau selbst nicht mehr erlaubt sind.

## Ein Verbot lässt auf sich warten

Die EU-Kommission hatte im Rahmen ihrer Strategie Vom Hof auf den Tisch bereits 2020 angekündigt, den Export in der EU verbotener Pestizide zu unterbinden. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag lag bis Mitte 2026 nicht vor. Einzelne Länder wie Frankreich haben nationale Exportverbote erlassen. Ein von PAN Europe mitbeauftragtes Rechtsgutachten kommt zu dem Schluss, die Kommission habe bereits heute die Befugnis, Rückstände verbotener Wirkstoffe in Importen zu untersagen.

## Was Verbraucher tun können

Wer Belastungen verringern möchte, kann auf zertifizierte Bio-Ware achten, auch wenn Kontrollen dort in Einzelfällen ebenfalls Spuren fanden. Grundsätzlich bleibt das Problem jedoch strukturell: Solange in der EU verbotene Wirkstoffe exportiert werden dürfen, kehren sie über den globalen Handel zurück. Ob und wann die Politik den Kreislauf schließt, ist offen.

## Quellen

- [Pestizide: In der EU verboten, von Konzernen exportiert](https://www.boell.de/de/2026/01/07/pestizide-der-eu-verboten-von-konzernen-exportiert)
- [Double Standards, Double Risk](https://www.pan-europe.info/node/3975)
- [Test: Verbotene Pestizide in unserem Essen](https://www.foodwatch.org/de/test-verbotene-pestizide-in-unserem-essen)

