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title: "El Nino durch Wolkenaufhellung dämpfen? Was hinter der Geoengineering-Studie steckt"
description: "Eine neue Modellstudie legt nahe, dass sich besonders starke El-Nino-Ereignisse mit gezielter Aufhellung von Meereswolken abschwächen ließen. Es geht um Simulationen, nicht um einen realen Eingriff. Fachleute warnen vor schwer kalkulierbaren Nebenwirkungen und ungelösten Grundsatzfragen."
category: "Wissenschaft"
category_url: https://weltturm.de/kategorie/wissenschaft
author: "Katrin Busch"
published: 2026-07-09T21:19:10.000Z
updated: 2026-07-09T21:19:10.000Z
canonical: https://weltturm.de/artikel/el-nino-durch-wolkenaufhellung-daempfen-was-hinter-der-geoengineering-studie-ste
tags: ["Geoengineering", "El Nino", "Klima", "Forschung", "Meereswolken"]
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# El Nino durch Wolkenaufhellung dämpfen? Was hinter der Geoengineering-Studie steckt

Eine neue Modellstudie legt nahe, dass sich besonders starke El-Nino-Ereignisse mit gezielter Aufhellung von Meereswolken abschwächen ließen. Es geht um Simulationen, nicht um einen realen Eingriff. Fachleute warnen vor schwer kalkulierbaren Nebenwirkungen und ungelösten Grundsatzfragen.

Lässt sich das Wetter der Welt an einer einzigen Stelle nachjustieren? Eine neue Studie hat durchgerechnet, ob sich besonders heftige El-Nino-Ereignisse mit einem gezielten Eingriff über dem Pazifik dämpfen ließen, [wie heise online berichtet](https://www.heise.de/news/Geoengineering-El-Nino-liesse-sich-mit-gezieltem-Eingriff-abschwaechen-11360054.html). Wichtig vorweg: Es handelt sich um Modellrechnungen, nicht um einen geplanten Realeinsatz.

## Was El Nino ist

El Nino ist ein wiederkehrendes Klimaphänomen. Alle paar Jahre erwärmt sich der tropische Pazifik ungewöhnlich stark. Diese warme Meeresoberfläche verschiebt Luftströmungen und Wettermuster rund um den Globus: Dürren in einer Region, Überschwemmungen in einer anderen, Ernteausfälle, veränderte Sturmaktivität. Die stärksten Ausprägungen richten weltweit Milliardenschäden an.

## Die Idee: Meereswolken aufhellen

Der untersuchte Ansatz heißt Marine Cloud Brightening. Dabei würden feine Salzpartikel aus Meerwasser in die untere Atmosphäre gesprüht. Sie wirken als zusätzliche Kondensationskeime und lassen vorhandene Meereswolken heller und reflektierender werden. Mehr Sonnenlicht wird ins All zurückgeworfen, die Meeresoberfläche darunter kühlt ab. Der Reiz des Konzepts: Man greift nicht global ein, sondern gezielt über einer bestimmten Region und zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Die Forscherinnen und Forscher, angesiedelt an der University of California in San Diego, simulierten, wie sich ein solcher Eingriff auf frühere Super-El-Ninos ausgewirkt hätte, [wie die Universität mitteilt](https://today.ucsd.edu/story/could-geoengineering-work-to-tamp-down-super-el-ninos). Als eine Art natürliches Vergleichsexperiment diente der Rauch der australischen Buschbrände von 2019/2020, der das Sonnenlicht ähnlich abschirmte.

## Was die Modelle zeigen

Den Simulationen zufolge könnte der Eingriff die typischen El-Nino-Effekte über dem zentralen Pazifik spürbar abschwächen, je früher im Zyklus, desto wirksamer. Das klingt vielversprechend, bleibt aber eben eine Rechnung im Computer. Ob sich das Verhalten der realen Atmosphäre so präzise steuern ließe, ist damit nicht bewiesen.

## Die Risiken

Genau hier setzt die Kritik an. Ein zu starker oder falsch dosierter Eingriff könnte ins Gegenteil umschlagen und ein extremes Gegenphänomen auslösen, eine ungewöhnlich kräftige Abkühlung mit eigenen Wetterfolgen. Hinzu kommen offene Governance-Fragen: Wer entscheidet über einen Eingriff, der das Wetter ganzer Weltregionen berührt? Wer haftet für Nebenwirkungen? Und praktisch ist die Technik ohnehin nicht einsatzbereit; für die nötige Menge an Partikeln wären sehr große Flotten von Spezialschiffen erforderlich.

## Kein Ersatz für Klimaschutz

Der wichtigste Vorbehalt ist grundsätzlicher Natur. Selbst wenn Marine Cloud Brightening funktionierte, würde es nur ein Symptom lindern, nicht die Ursache. Die eigentliche Triebkraft der Klimakrise, die steigende Konzentration von Treibhausgasen, bliebe unberührt. Die Studie ist damit vor allem Grundlagenforschung: Sie zeigt, dass ein solcher Eingriff theoretisch denkbar wäre, und zugleich, wie viele Unbekannte auf diesem Feld noch liegen.

## Quellen

- [Geoengineering: El Niño ließe sich mit gezieltem Eingriff abschwächen](https://www.heise.de/news/Geoengineering-El-Nino-liesse-sich-mit-gezieltem-Eingriff-abschwaechen-11360054.html)
- [Could Geoengineering Work to Tamp Down Super El Niños?](https://today.ucsd.edu/story/could-geoengineering-work-to-tamp-down-super-el-ninos)

