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title: "Mercedes-Chefaufseher Brudermüller fordert Rückkehr zur 40-Stunden-Woche"
description: "Der Aufsichtsratschef von Mercedes-Benz, Martin Brudermüller, plädiert für längere Arbeitszeiten in Deutschland – im Namen der Wettbewerbsfähigkeit. Gewerkschaften und Beschäftigte reagieren scharf, denn in der Autoindustrie gilt die 35-Stunden-Woche als hart erkämpfter Standard."
category: "Wirtschaft"
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author: "Gabriele Vogel"
published: 2026-06-22T13:42:00.000Z
updated: 2026-06-22T13:42:00.000Z
canonical: https://weltturm.de/artikel/mercedes-chefaufseher-brudermueller-fordert-rueckkehr-zur-40-stunden-woche
tags: ["Mercedes-Benz", "Arbeitszeit", "40-Stunden-Woche", "IG Metall", "Standort Deutschland"]
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# Mercedes-Chefaufseher Brudermüller fordert Rückkehr zur 40-Stunden-Woche

Der Aufsichtsratschef von Mercedes-Benz, Martin Brudermüller, plädiert für längere Arbeitszeiten in Deutschland – im Namen der Wettbewerbsfähigkeit. Gewerkschaften und Beschäftigte reagieren scharf, denn in der Autoindustrie gilt die 35-Stunden-Woche als hart erkämpfter Standard.

Der Vorstoß kommt von ganz oben: Martin Brudermüller, Aufsichtsratschef von Mercedes-Benz und früherer Vorstandsvorsitzender des Chemiekonzerns BASF, fordert eine grundsätzliche Debatte über die Arbeitskosten am Standort Deutschland. „Wir sollten ernsthaft die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche angehen“, sagte Brudermüller in einem [Interview mit dem Handelsblatt](https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/mercedes-martin-brudermueller-will-die-rueckkehr-zur-40-stunden-woche/100229696.html). Damit verschärft er eine seit Monaten schwelende Auseinandersetzung über Arbeitszeit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit.

## Das Argument: Deutschland hat seinen Produktivitätsvorsprung verloren

Kern von Brudermüllers Begründung ist die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. „Einen Produktivitätsvorteil gegenüber wichtigen Wettbewerbern haben wir nicht mehr“, warnte er laut [heise online](https://www.heise.de/news/Mercedes-Aufsichtsratschef-40-Stunden-Woche-im-Sinne-der-Wettbewerbsfaehigkeit-11340129.html). Arbeit sei in Deutschland zu teuer geworden. Aus seiner Sicht gebe es im Grundsatz nur zwei Wege: niedrigere Löhne oder längere Arbeitszeiten bei gleichem Gehalt. Lohnsenkungen hält er für praktisch nicht durchsetzbar – also bleibe die längere Arbeitszeit.

Brudermüller verband seinen Appell zudem mit gesellschaftlichen Argumenten. Längeres Arbeiten – auch im höheren Alter – trage dazu bei, „gesund und aktiv“ zu bleiben; Arbeit gebe den Menschen „Struktur, Teilhabe und Sinn“. Diese Einordnung stieß in der öffentlichen Debatte rasch auf Widerspruch.

## 35 Stunden als hart erkämpfter Standard

In der tarifgebundenen Metall- und Elektroindustrie, zu der auch die Autobranche zählt, gilt seit Jahrzehnten die 35-Stunden-Woche – ein zentrales Ergebnis jahrelanger gewerkschaftlicher Tarifkonflikte. Eine Abweichung nach oben ist nur über das sogenannte Pforzheim-Abkommen von 2004 möglich, und auch dann ausschließlich mit Zustimmung von Betriebsrat und Gewerkschaft.

Der Zeitpunkt von Brudermüllers Vorstoß ist kein Zufall: Mercedes verhandelt intern über eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden – nach Berichten ohne vollen Lohnausgleich. Eingebettet ist das in ein Sparprogramm, mit dem der Konzern in den kommenden Jahren erhebliche Summen einsparen will. Im Herbst steht zudem die nächste Tarifrunde der Metallindustrie an.

## Scharfe Reaktion der Arbeitnehmerseite

Von Gewerkschaftsseite kommt deutlicher Widerspruch. Die IG Metall pocht darauf, dass Zugeständnisse bei der Arbeitszeit nur im Gegenzug für konkrete Gegenleistungen denkbar seien – etwa langfristige Standort- und Beschäftigungsgarantien ([ad-hoc-news](https://www.ad-hoc-news.de/wirtschaft/mercedes-benz-arbeitskampf-um-40-stunden-woche-ohne-lohnausgleich/69446680)). Aus Sicht der Beschäftigten bedeutet eine 40-Stunden-Woche ohne vollen Lohnausgleich faktisch eine Lohnkürzung pro Stunde.

## Eine Debatte über das Geschäftsmodell Deutschland

Brudermüllers Vorstoß ist Teil einer größeren Standortdebatte. „Das historisch bewährte Geschäftsmodell Deutschlands funktioniert so nicht mehr“, sagte er dem Handelsblatt – hohe Energiekosten, Bürokratie und Wettbewerbsdruck aus China setzten der Industrie zu. Befürworter sehen in längeren Arbeitszeiten einen Hebel, um Stückkosten zu senken und Produktion im Land zu halten. Kritiker entgegnen, dass nicht die Arbeitszeit, sondern Investitionen, Innovationskraft und Strategiefehler über Wettbewerbsfähigkeit entschieden – und warnen davor, die Lasten einseitig auf die Beschäftigten zu verlagern. Klar ist: Im Herbst dürfte die Tarifrunde zur Bühne dieses Konflikts werden.

## Quellen

- [Mercedes-Aufsichtsratschef: 40-Stunden-Woche im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit](https://www.heise.de/news/Mercedes-Aufsichtsratschef-40-Stunden-Woche-im-Sinne-der-Wettbewerbsfaehigkeit-11340129.html)
- [Mercedes: Martin Brudermüller will die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche](https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/mercedes-martin-brudermueller-will-die-rueckkehr-zur-40-stunden-woche/100229696.html)
- [Mercedes-Benz: Arbeitskampf um 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich](https://www.ad-hoc-news.de/wirtschaft/mercedes-benz-arbeitskampf-um-40-stunden-woche-ohne-lohnausgleich/69446680)

