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title: "Strom für unter null Euro: 2026 steuert die Börse auf einen Minus-Rekord zu"
description: "An der Strombörse rutschen die Preise immer häufiger ins Minus. Bis Ende Mai 2026 wurden bereits gut 240 Stunden mit negativen Preisen gezählt – die Marke könnte am Jahresende den Rekord von 2025 brechen. Wer davon profitiert, wer draufzahlt und warum das Phänomen rasant zunimmt."
category: "Wirtschaft"
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author: "David Richter"
published: 2026-06-24T04:39:40.000Z
updated: 2026-06-24T04:39:40.000Z
canonical: https://weltturm.de/artikel/strom-fuer-unter-null-euro-2026-steuert-die-boerse-auf-einen-minus-rekord-zu
tags: ["Strompreise", "Energiewende", "Solarstrom", "Strombörse", "Dynamische Stromtarife", "Speicher"]
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# Strom für unter null Euro: 2026 steuert die Börse auf einen Minus-Rekord zu

An der Strombörse rutschen die Preise immer häufiger ins Minus. Bis Ende Mai 2026 wurden bereits gut 240 Stunden mit negativen Preisen gezählt – die Marke könnte am Jahresende den Rekord von 2025 brechen. Wer davon profitiert, wer draufzahlt und warum das Phänomen rasant zunimmt.

An der Strombörse passiert immer öfter etwas, das zunächst paradox klingt: Strom kostet weniger als nichts. Wer ihn dann abnimmt, bekommt im Großhandel sogar noch Geld dazu. Was nach einem Schnäppchen klingt, ist in Wahrheit ein Warnsignal – und 2026 könnte ein Rekordjahr für diese sogenannten negativen Strompreise werden.

## Was negative Strompreise sind

Der Strompreis an der Börse bildet sich aus Angebot und Nachfrage. Negativ wird er, wenn deutlich mehr Strom erzeugt wird, als gerade gebraucht wird. Das passiert besonders zur sonnenreichen Mittagszeit, wenn Photovoltaikanlagen viel Strom ins Netz drücken, oder an windreichen Feiertagen mit geringem Verbrauch. Weil sich konventionelle Kraftwerke nicht beliebig schnell herunterfahren lassen, entsteht ein Überangebot. Erzeuger zahlen dann dafür, ihren Strom überhaupt loszuwerden – oft ist das laut [EnBW](https://www.enbw.com/unternehmen/themen/windkraft/negative-strompreise.html) günstiger, als ein Kraftwerk komplett vom Netz zu nehmen.

## Wie viele Minusstunden es 2026 schon gab

Von Januar bis Mai 2026 verzeichnete die Strombörse nach Branchenangaben auf Basis der Bundesnetzagentur-Plattform SMARD bereits gut 240 Stunden mit negativen Preisen – allein im Mai mehr als 70. Zum Vergleich: Über das gesamte Jahr 2016 gab es nur 97 solcher Stunden. Seither ist die Zahl steil gestiegen – auf [301 Stunden 2023, 457 Stunden 2024](https://www.pv-magazine.com/2025/01/06/germany-records-457-hours-of-negative-electricity-prices-in-2024/) und rund 570 Stunden im bisherigen Rekordjahr 2025. Für 2026 rechnen Branchendienste mit einer Größenordnung von 700 bis 900 Stunden, wobei diese Prognose unsicher ist. Wie extrem es werden kann, zeigte der 1. Mai 2026: Auf dem Spotmarkt fiel der Preis zeitweise bis auf rund minus 500 Euro je Megawattstunde.

## Wer profitiert

Gewinner sind alle, die ihren Verbrauch flexibel in die Minus-Stunden verschieben können. Haushalte mit Smart Meter und dynamischen Stromtarifen zahlen dann nur Steuern, Abgaben und Netzentgelte – der reine Energiepreis ist null oder negativ. Besonders lohnt sich das für Besitzer von E-Autos, Wärmepumpen und Heimspeichern, die per intelligenter Steuerung genau dann laden, wenn der Strom am billigsten ist. Auch industrielle Großverbraucher und Batteriespeicher verdienen daran, indem sie günstige Überschüsse aufnehmen und später teurer verkaufen.

## Wer draufzahlt

Die Kehrseite tragen vor allem die Erzeuger – und indirekt die Steuerzahler. Betreiber konventioneller Kraftwerke machen in Minus-Stunden Verluste. Teuer wird es zudem bei der Förderung erneuerbarer Energien: Über die EEG-Marktprämie wird Ökostrom gestützt, doch bei anhaltend negativen Preisen entfällt diese Förderung inzwischen schneller. Die häufigen Negativphasen belasten das System und machen Investitionen in neue Anlagen unrentabler.

## Die Hintergründe

Kern des Problems ist ein Missverhältnis: Der Ausbau von Solar- und Windkraft läuft schneller als der von Netzen, Speichern und flexibler Nachfrage. 2025 deckten [Wind und Sonne erstmals den größten Teil der öffentlichen Stromerzeugung](https://www.ise.fraunhofer.de/en/press-media/press-releases/2026/german-public-electricity-generation-in-2025-wind-and-solar-power-take-the-lead.html), wie das Fraunhofer ISE berichtet. Doch ohne ausreichende Speicher lässt sich der Mittags-Überschuss nicht in die Abendstunden verschieben.

## Einordnung

Negative Strompreise sind kein Zeichen für eine gescheiterte Energiewende, sondern für eine unvollendete. Sie zeigen, dass genug grüner Strom da ist – aber die Flexibilität fehlt, ihn sinnvoll zu nutzen. Für flexible Verbraucher sind sie eine Chance, für das Gesamtsystem ein teurer Hinweis darauf, dass Speicher und Netze dringend nachziehen müssen.

## Quellen

- [Germany records 457 hours of negative electricity prices in 2024](https://www.pv-magazine.com/2025/01/06/germany-records-457-hours-of-negative-electricity-prices-in-2024/)
- [German Public Electricity Generation in 2025: Wind and Solar Take the Lead](https://www.ise.fraunhofer.de/en/press-media/press-releases/2026/german-public-electricity-generation-in-2025-wind-and-solar-power-take-the-lead.html)
- [Negative Strompreise: Wie sie entstehen und was sie bedeuten](https://www.enbw.com/unternehmen/themen/windkraft/negative-strompreise.html)

