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title: "TESS entdeckt erstmals einen Exoplaneten über den Mikrolinseneffekt"
description: "Das NASA-Weltraumteleskop TESS ist eigentlich Spezialist für eine ganz andere Methode – nun hat es zum ersten Mal einen fernen Planeten über den Gravitationsmikrolinseneffekt aufgespürt. Der Fund eröffnet neue Wege bei der Suche nach Welten in großen Abständen zu ihren Sternen."
category: "Wissenschaft"
category_url: https://weltturm.de/kategorie/wissenschaft
author: "Thomas Krüger"
published: 2026-07-02T12:43:30.000Z
updated: 2026-07-02T12:43:30.000Z
canonical: https://weltturm.de/artikel/tess-entdeckt-erstmals-einen-exoplaneten-ueber-den-mikrolinseneffekt
tags: ["Astronomie", "Exoplaneten", "TESS", "Gravitationslinse", "NASA"]
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# TESS entdeckt erstmals einen Exoplaneten über den Mikrolinseneffekt

Das NASA-Weltraumteleskop TESS ist eigentlich Spezialist für eine ganz andere Methode – nun hat es zum ersten Mal einen fernen Planeten über den Gravitationsmikrolinseneffekt aufgespürt. Der Fund eröffnet neue Wege bei der Suche nach Welten in großen Abständen zu ihren Sternen.

Ein Weltraumteleskop, das plötzlich eine Methode beherrscht, für die es gar nicht gebaut wurde: Das NASA-Teleskop TESS hat nach einem [Bericht von heise online](https://www.heise.de/news/Suche-nach-Erdzwilling-TESS-findet-erstmals-Exoplaneten-ueber-Mikrolinseneffekt-11351435.html) erstmals einen Exoplaneten über den Gravitationsmikrolinseneffekt entdeckt. Für die Fachwelt ist das eine kleine Überraschung – und ein Hinweis darauf, wie vielseitig bestehende Instrumente noch sein können.

## Was TESS eigentlich tut

TESS, kurz für Transiting Exoplanet Survey Satellite, ist seit 2018 im Einsatz und einer der erfolgreichsten Planetenjäger überhaupt. Seine übliche Methode ist der Transit: Zieht ein Planet von uns aus gesehen vor seinem Stern vorbei, verdunkelt er ihn für kurze Zeit ein winziges Stück. Aus diesen regelmäßigen Helligkeitsdellen lassen sich Größe und Umlaufzeit eines Planeten ableiten. Auf diese Weise hat TESS bereits Tausende Exoplaneten und Kandidaten aufgespürt.

## Der ungewöhnliche Weg über die Schwerkraft

Der neue Fund entstand jedoch anders. Beim Gravitationsmikrolinseneffekt kommt eine Vorhersage von Einsteins Relativitätstheorie zum Tragen: Massereiche Objekte krümmen den Raum und lenken das Licht dahinterliegender Sterne ab. Steht ein Stern samt Planet zufällig fast exakt vor einem weiter entfernten Hintergrundstern, wirkt seine Schwerkraft wie eine natürliche Lupe und lässt den fernen Stern kurzzeitig heller erscheinen. Aus dem genauen Verlauf dieser Aufhellung können Astronomen auf einen Planeten schließen – selbst wenn sie ihn nie direkt sehen. Anders als bei den spektakulären Gravitationslinsen ganzer Galaxien entstehen dabei keine Doppelbilder, sondern nur ein charakteristisches Auf und Ab der Helligkeit.

## Warum der Fund zählt

Bemerkenswert ist der Planet mit der Bezeichnung Gaia23bra b nicht wegen einer Erdähnlichkeit – im Gegenteil. Nach den in der Fachzeitschrift Astrophysical Journal Letters veröffentlichten Angaben handelt es sich um einen Gasriesen mit rund der 1,6-fachen Masse des Jupiter, der einen orangefarbenen Zwergstern umkreist. Der Stern ist mit etwa 80 Prozent der Sonnenmasse leichter als unsere Sonne, und das System liegt rund 40.000 Lichtjahre entfernt. Gefunden wurde der Planet im Zusammenspiel mit dem europäischen Vermessungssatelliten Gaia, der den entscheidenden Hinweis lieferte.

Der eigentliche Wert liegt in der Methode. Der Mikrolinseneffekt kann Planeten aufspüren, die anderen Verfahren entgehen – vor allem Welten in größerem Abstand zu ihren Sternen, wo die Transitmethode an ihre Grenzen stößt. Genau dort aber vermuten Astronomen viele erdähnliche Planeten. Dass ausgerechnet der Transit-Spezialist TESS diese Technik nun ebenfalls beherrscht, erweitert das Werkzeug für die Suche nach einer zweiten Erde. Ein solcher Zwilling ist Gaia23bra b nicht – doch der Weg dorthin ist mit dem Fund ein Stück breiter geworden.

## Quellen

- [Suche nach Erdzwilling: TESS findet erstmals Exoplaneten über Mikrolinseneffekt](https://www.heise.de/news/Suche-nach-Erdzwilling-TESS-findet-erstmals-Exoplaneten-ueber-Mikrolinseneffekt-11351435.html)
- [TESS – Transiting Exoplanet Survey Satellite](https://science.nasa.gov/mission/tess)

