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title: "Warum sich der Erhalt alter Nutztierrassen lohnt"
description: "Buntes Bentheimer Schwein, Rhönschaf, Rotes Höhenvieh: Viele einst verbreitete Rassen sind selten geworden – rund 60 Prozent der heimischen Nutztierrassen gelten als gefährdet. Ihr Erhalt ist mehr als Nostalgie: Es geht um genetische Vielfalt, robuste Tiere und gepflegte Landschaften."
category: "Lokal"
category_url: https://weltturm.de/kategorie/lokal
author: "Felix Brandt"
published: 2026-07-02T03:55:00.000Z
updated: 2026-07-02T03:55:00.000Z
canonical: https://weltturm.de/artikel/warum-sich-der-erhalt-alter-nutztierrassen-lohnt
tags: ["Landwirtschaft", "Nutztierrassen", "Biodiversität", "Artenschutz", "GEH"]
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# Warum sich der Erhalt alter Nutztierrassen lohnt

Buntes Bentheimer Schwein, Rhönschaf, Rotes Höhenvieh: Viele einst verbreitete Rassen sind selten geworden – rund 60 Prozent der heimischen Nutztierrassen gelten als gefährdet. Ihr Erhalt ist mehr als Nostalgie: Es geht um genetische Vielfalt, robuste Tiere und gepflegte Landschaften.

Kaum jemand kennt sie noch mit Namen: das Bunte Bentheimer Schwein, das Rhönschaf, das Rote Höhenvieh. Über Jahrhunderte prägten solche Rassen die Landwirtschaft in ihren Regionen. Heute sind viele von ihnen selten geworden – und ihr Verschwinden wäre ein stiller Verlust mit handfesten Folgen.

## Wie es um die alten Rassen steht

Die Zahlen der [Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung](https://www.ble.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/250918_Rote-Liste.html) (BLE) sind deutlich: Rund 60 Prozent der einheimischen Rassen gelten als gefährdet. Bei den Großtieren – Rindern, Schweinen, Pferden, Schafen und Ziegen – sind es 59 von 83 Rassen, bei Geflügel und Kaninchen 64 von 125. Besonders angespannt ist die Lage bei den Schafen: Von 24 Rassen gelten nur zwei als nicht gefährdet, das Merinolandschaf wurde 2025 erstmals als gefährdet eingestuft. Als Ursachen nennt die BLE unter anderem Tierseuchen wie die Blauzungenkrankheit, zunehmende Wolfsübergriffe und die schwierige wirtschaftliche Lage der Schafhaltung.

## Warum sich der Erhalt lohnt

Der wichtigste Grund steckt in den Genen. Genetische Vielfalt ist die Grundlage dafür, dass sich Tierbestände an veränderte Bedingungen anpassen können – gerade im Klimawandel. Wer nur auf wenige Hochleistungsrassen setzt, verengt den Genpool, aus dem künftige Zucht schöpfen könnte. Alte Rassen sind gewissermaßen ein lebendiges Reservoir für Eigenschaften, die morgen wieder gefragt sein könnten.

Dazu kommt ihre Robustheit. Über Generationen wurden diese Tiere nicht auf Höchstleistung getrimmt, sondern auf Langlebigkeit und Genügsamkeit. Sie kommen mit kargem Futter und rauem Klima zurecht und gelten als vergleichsweise widerstandsfähig. Und schließlich leisten sie einen praktischen Dienst an der Landschaft: Robuste Schafe und Rinder halten Heiden, Streuobstwiesen und Bergweiden offen, die sonst verbuschen würden – oft [kostengünstiger und ökologischer](https://www.landwirtschaft.de/umwelt/natur/biodiversitaet/warum-ist-der-erhalt-alter-haustierrassen-so-wichtig) als jede Maschine.

## Wer sich kümmert

Dass in Deutschland seit Jahrzehnten keine Nutztierrasse ausgestorben ist, führt die 1981 gegründete Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) auch auf die eigene Arbeit zurück. Ihre bekannteste Aktion ist die „Gefährdete Nutztierrasse des Jahres", mit der seit 1984 jährlich eine bedrohte Rasse ins Rampenlicht rückt – 2026 sind es, passend zum UN-Jahr der Weidelandschaften, die Heidschnucken gemeinsam mit den Altdeutschen Hütehunden. Auch der Staat hilft: Die BLE führt die Rote Liste und ein nationales Fachprogramm, seit 2016 sichert eine Genbank Erbgut für den Notfall, und über die EU-Agrarpolitik können Halter gefährdeter Rassen Fördergelder erhalten.

## Eine Versicherung für die Zukunft

Der Erhalt alter Rassen ist damit kein nostalgisches Hobby, sondern eine Art Versicherung: gegen den Verlust von Vielfalt, gegen kommende Klimarisiken – und für eine Kulturlandschaft, die auch morgen noch gepflegt werden will. Wer heute ein Rhönschaf oder ein Rotes Höhenvieh sieht, blickt nicht nur in die Vergangenheit der Landwirtschaft, sondern womöglich auch auf einen Teil ihrer Zukunft.

## Quellen

- [Rote Liste 2025: Rund 60 Prozent der einheimischen Nutztierrassen gefährdet](https://www.ble.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/250918_Rote-Liste.html)
- [Warum ist der Erhalt alter Haustierrassen so wichtig?](https://www.landwirtschaft.de/umwelt/natur/biodiversitaet/warum-ist-der-erhalt-alter-haustierrassen-so-wichtig)

