Darmkrebs galt lange als Erkrankung des höheren Lebensalters. Doch seit Jahren beobachten Mediziner weltweit, dass immer mehr Menschen unter 50 Jahren betroffen sind. Eine neue Untersuchung der Yale School of Public Health liefert nun einen ungewöhnlichen Hinweis darauf, was dahinterstecken könnte – und richtet den Blick auf einen Faktor, der lange vor der eigenen Geburt liegt: das Alter des Vaters.

Was die Studie fand

Die zentrale Beobachtung: Frauen, deren Vater bei ihrer Geburt 35 Jahre oder älter war, hatten ein um rund 56 Prozent höheres Risiko, vor dem 50. Lebensjahr an Darmkrebs zu erkranken. Dieser Zusammenhang zeigte sich ausschließlich bei Frauen, nicht bei Männern.

Ein zweiter, ähnlich gelagerter Befund betraf das Geburtsgewicht: Bei Frauen war jede Zunahme um 500 Gramm mit einem etwa 10 Prozent höheren Risiko verbunden. Daneben fanden die Forschenden weitere Muster: Männer hatten ein um 34 Prozent höheres Risiko als Frauen, Menschen mit hispanischer Herkunft ein um 43 Prozent höheres Risiko als weiße Personen. Umgekehrt war eine im Ausland geborene Mutter mit einem um 15 Prozent niedrigeren Risiko verbunden.

Wie die Forschenden vorgingen

Die Untersuchung unter Leitung von Sunny Siddique erschien im Fachjournal CANCER, einer begutachteten Zeitschrift der American Cancer Society. Es handelt sich um eine populationsbasierte Fall-Kontroll-Studie aus Kalifornien: Verglichen wurden 1.221 Menschen, die zwischen 1988 und 2021 vor ihrem 50. Geburtstag an Darmkrebs erkrankt waren, mit 61.050 Personen ohne Krebsdiagnose. Der Vorteil dieses Designs: Es greift auf reale Registerdaten zurück und betrachtet eine sehr große Vergleichsgruppe.

Warum das wichtig ist

Der Hintergrund ist ein besorgniserregender Trend. Während die Krebssterblichkeit bei unter 50-Jährigen insgesamt deutlich gesunken ist, entwickelt sich Darmkrebs in dieser Altersgruppe in die Gegenrichtung. Laut Yale Medicine entfielen 2019 rund 20 Prozent aller Darmkrebsdiagnosen auf Menschen unter 55 Jahren – etwa doppelt so viele wie 1995. Woran das liegt, ist nicht abschließend geklärt; diskutiert werden Ernährung, Übergewicht, das Darmmikrobiom und Umweltfaktoren. Die Yale-Studie erweitert dieses Bild um früh angelegte Einflüsse, die schon vor oder bei der Geburt wirken könnten.

Einordnung und Grenzen

Wichtig ist: Die Studie zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen. Dass ein höheres Vateralter mit mehr Erkrankungen einhergeht, beweist nicht, dass es sie auslöst. Diskutiert werden mögliche Mechanismen wie altersbedingte Veränderungen in den Keimzellen des Vaters, belegt ist das hier aber nicht. Auch bleibt offen, warum sich einige Effekte nur bei Frauen zeigten. Hinzu kommen typische Einschränkungen solcher Registerstudien: Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Rauchen oder Bewegung konnten nicht vollständig berücksichtigt werden, und die Daten stammen aus einer einzelnen Region.

Für Betroffene gilt vorerst die unveränderte Botschaft: Wer Symptome wie anhaltende Verdauungsbeschwerden, Blut im Stuhl oder ungewollten Gewichtsverlust bemerkt, sollte das ärztlich abklären lassen – unabhängig vom Alter.