Der Eichenprozessionsspinner sorgt diesen Sommer für ein besonders starkes Befallsjahr. Was viele überrascht: Die wärmeliebende Raupe tritt nicht mehr nur an Waldrändern, Alleen und in Parks auf, sondern zunehmend auch in geschlossenen Eichenbeständen mitten im Wald. Wer jetzt unterwegs ist, sollte die Gefahren kennen.

Warum die Brennhaare gefährlich sind

Ab dem dritten Larvenstadium – meist ab Ende Mai – bilden die Raupen feine Brennhaare aus. Diese nur rund 0,2 Millimeter langen Härchen enthalten das Eiweißgift Thaumetopoein. Sie brechen bei kleinster Berührung ab, tragen Widerhaken und werden vom Wind über weite Strecken getragen. Auch verlassene Nester bleiben über Jahre giftig.

Kontakt löst die sogenannte Raupendermatitis aus: Quaddeln, Rötungen und starker Juckreiz, die sich oft erst innerhalb von 24 Stunden zeigen und je nach Stärke einige Tage bis zwei Wochen anhalten. Gelangen die Härchen in die Atemwege, drohen Husten, Bronchitis und Asthmabeschwerden; an den Augen Rötung und Bindehautentzündung. Schwere allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock sind selten, aber möglich – das Risiko steigt bei wiederholtem Kontakt.

So erkennen Sie Raupen und Nester

Die Raupen sind dunkel behaart und ziehen oft in langen, prozessionsartigen Reihen über Stamm und Äste – daher der Name. An Eichen bilden sie aus Gespinst und alten Häuten weiße bis bräunliche Nester, die wie watteartige Polster am Stamm oder in Astgabeln kleben. Diese Gespinstnester sind das deutlichste Warnzeichen – auch wenn keine Raupen sichtbar sind, stecken die giftigen Brennhaare darin.

So schützen Sie sich

  • Halten Sie Abstand zu befallenen Bäumen und Nestern – berühren Sie weder Raupen noch Gespinste.
  • Meiden Sie gesperrte Bereiche und beachten Sie Warnschilder.
  • Tragen Sie bei unvermeidbarem Aufenthalt lange Kleidung, die Hals, Arme und Beine bedeckt.

Was tun bei Kontakt?

  1. Nicht kratzen und die betroffenen Stellen nicht reiben.
  2. Kleidung sofort wechseln und bei mindestens 60 °C waschen.
  3. Gründlich duschen und die Haare waschen.
  4. Bei Juckreiz helfen kühlende Umschläge oder Antihistaminika.
  5. Zum Arzt bei Atembeschwerden, Augenbeteiligung oder allergischen Reaktionen – im Notfall den Rettungsdienst (112) rufen.

Wer entfernt die Nester?

Entfernen Sie Nester auf keinen Fall selbst. Das übernehmen Fachfirmen mit Spezialausrüstung – etwa durch Absaugen oder thermische Verfahren. Zuständig sind je nach Standort die Kommunen, Grünflächen- und Forstämter oder bei Privatbäumen die Eigentümer. Befall im öffentlichen Raum melden Sie am besten dem örtlichen Ordnungs-, Grünflächen- oder Gesundheitsamt.