Im Mittelmeer macht ein Fisch von sich reden, der für Urlauberinnen und Urlauber gleich auf zwei Wegen gefährlich werden kann: der Silberwangen-Kugelfisch (Lagocephalus sceleratus), auch Hasenkopf-Kugelfisch genannt. Weil die Zahl der Sichtungen an griechischen Küsten zugenommen hat, kursieren dort inzwischen Erste-Hilfe-Hinweise, und Fachleute mahnen zur Vorsicht.
Welche Art steckt dahinter
Der Silberwangen-Kugelfisch stammt ursprünglich aus dem Indischen und Pazifischen Ozean. Über das Rote Meer und den Suezkanal hat er den östlichen Mittelmeerraum erreicht und sich von dort weiter ausgebreitet. Erkennbar ist er an seinem gedrungenen Körper, einem silbrigen Längsstreifen an den Flanken und einem schnabelartigen Maul mit kräftigen Zahnplatten. Ausgewachsene Tiere können über einen Meter lang und mehrere Kilogramm schwer werden.
Warum er gefährlich ist: Tetrodotoxin
Die größte Gefahr geht vom Verzehr aus. Vor allem Innereien, Leber, Haut und Keimdrüsen enthalten Tetrodotoxin (TTX), eines der stärksten bekannten Nervengifte. Es blockiert die Reizweiterleitung in Nerven und Muskeln und kann schon in kleinen Mengen zu Lähmungen, Atemstillstand und Herzversagen führen. Ein Gegenmittel gibt es nicht; behandelt werden kann nur intensivmedizinisch. Der Verkauf und Verzehr ist in der EU verboten.
Hinzu kommt eine zweite, mechanische Gefahr: Der Biss selbst ist nicht giftig, doch die kräftigen Kiefer können tiefe Wunden verursachen. Wer ein solches Tier beim Angeln aus dem Wasser zieht und unvorsichtig hantiert, riskiert ernsthafte Verletzungen an Fingern oder Zehen.
Wo er verbreitet ist
Erstmals wurde die Art 2003 im Mittelmeer nachgewiesen. Seither hat sie sich weit ausgebreitet, mit Fundmeldungen unter anderem aus Griechenland, der Türkei, Zypern, Ägypten, Tunesien, Italien, Kroatien und Spanien bis hin zur Straße von Gibraltar. Der bis dahin nördlichste dokumentierte Nachweis gelang 2024 in der nördlichen Adria. In Griechenland tauchen die Fische inzwischen auch an beliebten Badestränden auf.
Verhaltenstipps
- Gefangene oder angespülte Kugelfische niemals anfassen und keinesfalls verzehren.
- Kinder und Hunde am Strand von toten Tieren fernhalten.
- Bei einem Biss die Wunde gründlich reinigen, die Blutung mit einem sauberen Tuch stillen und die betroffene Gliedmaße hochlagern.
- In jedem Fall ärztliche Hilfe suchen; oft sind eine Wundversorgung oder eine Tetanusimpfung nötig.
- Bei Vergiftungsverdacht nach Verzehr sofort den Notruf wählen.
Hintergrund: Suezkanal und wärmeres Wasser
Der Silberwangen-Kugelfisch ist ein klassischer „lessepsischer" Einwanderer – eine Art, die über den 1869 eröffneten Suezkanal aus dem Roten Meer ins Mittelmeer gelangt ist. Begünstigt wird die Ausbreitung durch steigende Wassertemperaturen, die wärmeliebenden Arten neue Lebensräume eröffnen. Fachleute zählen den Fisch deshalb zu den folgenreichsten invasiven Arten des Mittelmeers – mit Auswirkungen auf Artenvielfalt, Fischerei und öffentliche Gesundheit.



