Angesichts geplanter Kürzungen im Bundeshaushalt fordern deutsche Hilfswerke deutlich mehr Geld für die weltweite Nothilfe. Sie warnen vor schweren Folgen für Millionen Menschen in Krisenregionen.
Was gefordert wird
Der Dachverband VENRO, der rund 140 deutsche Entwicklungs- und Hilfsorganisationen vertritt, verlangt, die Mittel für humanitäre Hilfe im Etat des Auswärtigen Amtes wieder auf das Niveau von 2024 anzuheben – das entspricht nach Angaben der Hilfswerke etwa 2,8 Milliarden Euro jährlich. Zudem sollen für die Entwicklungszusammenarbeit im Etat des Entwicklungsministeriums (BMZ) mindestens 11,2 Milliarden Euro bereitgestellt werden.
Parallel hatten 16 Hilfsorganisationen – darunter Welthungerhilfe, Caritas international, Diakonie Katastrophenhilfe, Misereor und Save the Children – in einem gemeinsamen Appell an den Bundestag mindestens 2,5 Milliarden Euro für die humanitäre Hilfe gefordert. Die genannten Summen schwanken in den Quellen zwischen 2,5 und 2,8 Milliarden Euro, je nach Verband und Bezugsjahr.
Der Hintergrund: Kürzungen
Die humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amtes ist binnen weniger Jahre stark zurückgefahren worden. 2024 standen dafür noch rund 2,23 Milliarden Euro zur Verfügung; 2025 wurde der Ansatz auf rund 1,04 Milliarden Euro mehr als halbiert. Im Regierungsentwurf für 2026 verharrt die Summe bei etwa einer Milliarde Euro – nach Angaben der Verbände der niedrigste Stand seit Jahren und damit gut die Hälfte unter dem Wert von 2024. Auch der Entwicklungsetat sinkt: Für das BMZ sind im Entwurf rund 10,06 Milliarden Euro vorgesehen, etwa 251 Millionen Euro weniger als 2025. Hintergrund der Sparvorgaben sind die Haushaltskonsolidierung und die Schuldenbremse.
Die Begründung der Hilfswerke
Die Organisationen verweisen auf eine wachsende Zahl globaler Krisen. Nach Zahlen des UN-Nothilfebüros OCHA sind weltweit rund 300 Millionen Menschen akut auf humanitäre Hilfe angewiesen. Als besonders dramatisch nennen die Verbände den Krieg im Sudan sowie die Lage in Gaza, Syrien und der Sahelzone. Die Welthungerhilfe sprach von einem „Abschied aus der humanitären Verantwortung": Die Einsparungen machten nur einen Bruchteil des Bundeshaushalts aus, kosteten aber „Menschenleben, Zukunftschancen und Stabilität".
Die Position der Bundesregierung
Die Bundesregierung verweist auf die angespannte Haushaltslage. Bereits bei den Kürzungen für 2025 hatten Abgeordnete der Koalition argumentiert, angesichts der Schuldenbremse seien Prioritätensetzungen unvermeidbar. Über die endgültigen Ansätze für 2026 entscheidet der Bundestag erst im Lauf der parlamentarischen Beratungen; die Hilfswerke richten ihre Forderungen daher ausdrücklich an das Haushaltsverfahren.
Einordnung
Deutschland zählte zuletzt zu den größten Gebern humanitärer Hilfe weltweit. Der nun absehbare Rückgang fällt mit Kürzungen anderer westlicher Geberländer zusammen, was den Finanzierungsdruck auf das internationale Hilfssystem verschärft. Ob die Forderung der Verbände im parlamentarischen Verfahren ganz oder teilweise aufgegriffen wird, ist offen – in den Vorjahren hatte der Haushaltsausschuss die Regierungsansätze teils nachträglich angehoben.



