Wenn der Bundeshaushalt klemmt, rücken schnell soziale Leistungen ins Visier. Diesmal trifft es auch das Elterngeld – und das ruft Widerspruch aus der Wissenschaft hervor.
Sparzwang trifft Familienpolitik
Hintergrund ist der Druck, im Bundeshaushalt zu sparen: Das Bundesfamilienministerium soll Einsparungen erbringen, und ein Teil davon könnte beim Elterngeld anfallen. Dagegen wendet sich die Ökonomin Nicola Fuchs-Schündeln, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. Ihre Kernbotschaft an die Politik: Statt übers Sparen solle man über eine Reform nachdenken. Eine pauschale Kürzung greife zu kurz.
Elterngeld als Investition
Fuchs-Schündelns Argument ist ökonomisch: In Zeiten niedriger Geburtenzahlen und drohenden Fachkräftemangels sei es ein Fehler, ausgerechnet eine Leistung zu schwächen, die es Eltern erleichtert, Kinder zu bekommen und berufstätig zu bleiben. Familienpolitik sei in diesem Sinne keine reine Ausgabe, sondern eine Investition – in die Erwerbsbeteiligung von Müttern wie Vätern und in die wirtschaftliche Zukunft. Wer hier kurzfristig spart, könnte langfristig draufzahlen.
Reform statt Rasenmäher
Statt einer pauschalen Kürzung schlägt die Ökonomin vor, das Elterngeld so umzubauen, dass es Anreize für eine partnerschaftliche Aufteilung setzt – etwa indem die ersten Monate besonders gut abgesichert werden und Paare einen größeren Vorteil haben, wenn sich beide Elternteile die Auszeit teilen. Heute nimmt in vielen Familien faktisch ein Elternteil den Großteil der Monate, der andere nur wenige. Ein klügeres Modell könnte das ändern und zugleich die Erwerbstätigkeit fördern.
Streit unter Fachleuten
Einig ist sich die Wissenschaft nicht. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung verweist auf die positive Bilanz des Elterngelds seit seiner Einführung 2007 und schlägt vor, eher beim Ehegattensplitting zu sparen. Andere Institute halten dagegen Einschnitte für vertretbar, etwa über eine niedrigere Einkommensgrenze für den Bezug. So spiegelt die Debatte einen Grundkonflikt wider: Ist Familienförderung vor allem ein Kostenposten – oder eine Investition, die sich auszahlt? Eine Entscheidung der Politik steht noch aus.



