Es ist ein Versuch, zwei Probleme mit einer Lösung anzugehen: In vielen Innenstädten stehen Büros leer, während bezahlbarer Wohnraum fehlt. Ein neues Förderprogramm soll Investoren motivieren, das eine ins andere zu verwandeln.
Was gefördert wird
Vom 1. Juli an können Anträge für das Programm „Gewerbe zu Wohnen" gestellt werden, das über die staatliche Förderbank KfW läuft. Gefördert wird der Umbau leerstehender Gewerbeflächen – etwa Büros, Läden oder Praxen – zu Wohnungen. Anders als bei vielen anderen Programmen handelt es sich um direkte Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Das Bundesbauministerium stellt dafür den Berichten zufolge zunächst rund 300 Millionen Euro bereit.
Die Konditionen
Konkret gibt es nach Angaben der KfW je neu geschaffener Wohnung einen Zuschuss von bis zu 30.000 Euro, gedeckelt auf einen Anteil der förderfähigen Kosten. Pro Antragsteller ist die Summe begrenzt, sodass das Programm vor allem kleinere und mittlere Vorhaben anspricht. An die Förderung sind Bedingungen geknüpft: Die umgebauten Gebäude müssen einen energetischen Standard erfüllen, für Baudenkmäler gelten etwas mildere Vorgaben. Wichtig für Antragsteller: Erst die Zusage abwarten, dann bauen – wer vorher loslegt, riskiert den Zuschuss. Planung und Beratung sind vorab erlaubt.
Großes Potenzial, große Vorbehalte
Der Bedarf ist da. Fachleute beziffern den Büroleerstand in Deutschland auf einen zweistelligen Millionenbetrag an Quadratmetern – eine Spätfolge des Homeoffice-Trends. Das ifo-Institut hält in den großen Städten Zehntausende neue Wohnungen für möglich, nennt aber auch die Grenzen: Nur ein Teil der Büroflächen lässt sich technisch sinnvoll umwandeln, und bei jedem Umbau geht Fläche für Treppenhäuser, Aufzüge und Leitungen verloren.
Die Frage der Wirtschaftlichkeit
Der entscheidende Punkt ist das Geld. Hohe Baupreise, teure energetische Sanierungen und ungünstige Lagen – etwa in reinen Bürovierteln ohne Schulen, Grün oder Nahverkehr – können Projekte unrentabel machen. Ein Zuschuss von 30.000 Euro je Wohnung hilft, gleicht aber nicht jede Lücke aus. Ob das Programm die Leerstände spürbar abbaut oder vor allem einzelne, ohnehin lohnende Vorhaben mitnimmt, wird sich erst in der Praxis zeigen. Als Signal aber ist es bemerkenswert: Der Bund setzt verstärkt auf den Umbau des Bestands statt allein auf Neubau.



