Die Geschichte des Ozonlochs muss in einem Punkt umgeschrieben werden: Die Belastung der Atmosphäre mit ozonschädlichen Stoffen begann offenbar viel früher, als lange angenommen.
Spuren aus dem Jahr 1951
Ein Forschungsteam – unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Universität Bremen – hat alte Messdaten der Forschungsstation auf dem Jungfraujoch in den Schweizer Alpen neu ausgewertet. Das Ergebnis: Schon in Aufzeichnungen aus dem Jahr 1951 lassen sich Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) nachweisen – jene Stoffe, die später als Hauptverursacher des Ozonabbaus identifiziert wurden. Damit reicht die messbare Belastung rund zwei Jahrzehnte weiter zurück als bislang dokumentiert.
Alte Daten, neu gelesen
Möglich wurde der Fund durch eine Art wissenschaftliche Archivarbeit. Die historischen Spektrometer-Aufzeichnungen waren ursprünglich für ganz andere Zwecke angefertigt und auf Papier festgehalten worden. Erst die Digitalisierung und eine moderne Analyse erlaubten es, in den alten Daten gezielt nach dem Kältemittel FCKW-12 (bekannt als „Freon-12") zu suchen – einem Stoff, der über Jahrzehnte in Kühlschränken und Klimaanlagen steckte. So wurde aus Messreihen, die längst archiviert waren, eine neue Erkenntnis über die frühe Atmosphärenchemie.
Warum erst 1985 das Ozonloch auffiel
Wenn FCKW schon 1951 messbar war – warum wurde das Ozonloch über der Antarktis erst 1985 entdeckt? Die plausible Erklärung: Die freigesetzten Mengen waren anfangs noch gering und stiegen erst mit der massenhaften Verbreitung von Kühl- und Treibgasen in den folgenden Jahrzehnten dramatisch an. Der Schaden wuchs also schleichend, bevor er ein katastrophales Ausmaß erreichte und schließlich sichtbar wurde.
Die Erfolgsgeschichte bleibt
Wichtig ist die Einordnung: Die Studie stellt die bekannte Erfolgsgeschichte nicht infrage. Das Montreal-Protokoll von 1987, mit dem die Staatengemeinschaft FCKW weltweit verbot, gilt als eines der wirksamsten Umweltabkommen überhaupt. Die Ozonschicht erholt sich seither messbar. Die neue Auswertung liefert vor allem eine Lehre für die Gegenwart: Menschliche Emissionen können die Atmosphäre lange beeinflussen, bevor die Folgen offen zutage treten – ein Gedanke, der auch beim Umgang mit Treibhausgasen zu denken geben sollte.



