Auf der deutschen Schiene fährt im Fernverkehr fast nur die Deutsche Bahn. Das soll sich ändern – auf Druck der Aufsichtsbehörde.
Mehr Platz für die Konkurrenz
Die Bundesnetzagentur hat entschieden, dass die DB ihre attraktiven Fernverkehrstrassen stärker für Wettbewerber öffnen muss. Berichten zufolge soll auf besonders gefragten Strecken künftig ein erheblicher Teil der Kapazität – die Rede ist von rund einem Viertel – für andere Anbieter reserviert werden. „Trassen" sind dabei die Fahrplanlagen: Sie legen fest, welcher Zug wann auf welcher Strecke fahren darf. Die begehrtesten Zeitfenster – morgens und abends auf lukrativen Verbindungen – gingen bisher überwiegend an die Bahn.
Ein Quasi-Monopol
Der Hintergrund: Im Fernverkehr beherrscht die DB den Markt nahezu vollständig; ihr Anteil liegt bei über 90 Prozent. Wettbewerber wie das deutsche Unternehmen Flixtrain oder der italienische Anbieter Italo klagen seit Jahren, sie kämen an die guten Trassen kaum heran. Trotz einer formal seit Jahrzehnten liberalisierten Schiene ist echter Wettbewerb im Fernverkehr bislang die Ausnahme geblieben. Mit der neuen Vorgabe will die Bundesnetzagentur das ändern.
Neue Anbieter in den Startlöchern
Der Druck kommt nicht von ungefähr: Mehrere Anbieter wollen in den deutschen Markt drängen. Italo plant den Einstieg mit eigenen Hochgeschwindigkeitszügen auf den Hauptachsen, auch Flixtrain will sein Angebot ausweiten. Für solche Investitionen brauchen die Unternehmen verlässlichen Zugang zu den Strecken – genau den soll die Regelung schaffen.
Die Sorge der Bahn
Die Deutsche Bahn sieht das Vorhaben kritisch. Sie verweist darauf, dass die wichtigen Knotenpunkte im Netz ohnehin überlastet sind und zusätzliche Züge die Lage verschärfen könnten. Zudem führt die DB ein altbekanntes Argument an: Mit den Gewinnen auf lukrativen Metropolrouten finanziere sie auch weniger rentable Verbindungen quer. Nehme die Konkurrenz ihr die einträglichen Strecken weg, gerate diese Quersubventionierung unter Druck.
Was Fahrgäste erwarten dürfen
Für Reisende könnte mehr Wettbewerb Vorteile bringen: ein größeres Angebot, möglicherweise günstigere Preise und mehr Verbindungen. Angesichts der zuletzt mäßigen Pünktlichkeit im Fernverkehr ist Spielraum für Verbesserungen da. Entscheidend wird allerdings sein, ob das Netz die zusätzlichen Züge verkraftet. Die Bundesnetzagentur steht damit vor einer typischen Gratwanderung: Wettbewerb fördern, ohne die Stabilität des Gesamtsystems und die Fläche zu gefährden. Wie genau die Vorgabe umgesetzt wird, dürften die kommenden Monate zeigen.



