Es ist eine dieser Zahlen, die zunächst abstrakt wirken und dann doch viel über unsere Welt verraten: 11.422. So viele Großstädte gibt es nach einer aktuellen Auswertung weltweit – und in ihnen lebt fast die halbe Menschheit.
3,7 Milliarden Menschen, ein gemeinsamer Lebensraum
Nach Daten der Urban Centre Database, die das Fachmagazin heise online aufbereitet hat, leben rund 3,7 Milliarden Menschen in diesen urbanen Zentren – etwa 46 Prozent der Weltbevölkerung. Erfasst werden die Städte dabei nicht nach politischen Stadtgrenzen, sondern satellitengestützt: Als urbanes Zentrum gilt eine zusammenhängende Fläche mit mindestens 50.000 Einwohnern und einer Dichte von wenigstens 1.500 Menschen pro Quadratkilometer. Dieser Ansatz macht Städte über Ländergrenzen hinweg vergleichbar.
Das Problem mit der Definition
Genau hier liegt eine Tücke: Eine allgemeingültige Definition von „Stadt" gibt es nicht. Wie Our World in Data zeigt, verwenden Länder völlig unterschiedliche Schwellen. In manchen Staaten zählt schon ein Ort mit wenigen hundert Einwohnern als städtisch, in anderen erst eine Ansiedlung mit zehntausenden. Das hat handfeste Folgen für die Statistik: Je nach Definition liegt der Anteil der weltweit „städtisch" lebenden Menschen mal bei gut der Hälfte, mal bei deutlich mehr. Dieselbe Realität ergibt also je nach Maßstab ganz verschiedene Zahlen – ein wichtiger Hinweis für jeden, der globale Statistiken liest.
Ein Trend, der eindeutig ist
So uneinheitlich die Definitionen sind, so klar ist der große Trend. Seit etwa 2007 lebt erstmals mehr als die Hälfte der Menschheit in Städten; 1950 war es nur rund ein Drittel. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass der Anteil bis 2050 auf rund zwei Drittel steigt. Die Städte wachsen dabei höchst ungleich: Der Großteil der Zunahme entfällt auf Asien und Afrika, während viele europäische Städte stagnieren oder schrumpfen.
Warum die Zahl mehr ist als Statistik
Hinter den 11.422 Großstädten verbergen sich drängende Fragen. Wie versorgt man Milliarden Menschen auf engem Raum mit Wohnraum, Wasser, Energie und Verkehr? Wie hält man Städte in einer heißer werdenden Welt lebenswert? Und wie verteilt sich der Wohlstand zwischen glitzernden Zentren und wachsenden Rändern? Die Zahl ist damit weniger ein Schlusspunkt als ein Ausgangspunkt – für eine der größten Gestaltungsaufgaben des Jahrhunderts.



