Es ist die wohl renommierteste Bühne für unveröffentlichte deutschsprachige Prosa – und in diesem Jahr ein Jubiläum: Zum 50. Mal wurden in Klagenfurt am Wörthersee die Tage der deutschsprachigen Literatur ausgetragen. Am Ende stand eine Siegerin, die viele überraschte.

Eine Stimme aus dem Sauerland

Den mit 30.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis gewann Lena Schätte, eine Autorin aus Nordrhein-Westfalen. Sie hatte sich gegen 13 weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer durchgesetzt, die in Klagenfurt jeweils einen bislang unveröffentlichten Text vortrugen und sich anschließend der öffentlichen Diskussion der Jury stellten – ein Format, das den Wettbewerb seit jeher prägt und das nicht etablierte Verlagsware prämiert, sondern literarische Stimmen entdecken will.

Der preisgekrönte Text

Schätte überzeugte mit ihrem Text „Was wir tragen". Darin erzählt sie von zwei übergewichtigen Mädchen, die im Schulalltag als Außenseiterinnen am Rand stehen und zueinander eine schützende, solidarische Nähe entwickeln. Bemerkenswert ist der Ton: Die Erzählung verhandelt Scham, Körperlichkeit und Ausgrenzung, ohne ins Anklagende oder Sentimentale zu kippen. Statt großer Gesten setzt der Text auf genaue Beobachtung und sprachliche Verdichtung – eine Wucht, die gerade aus der Zurückhaltung entsteht.

Auch das Publikum überzeugt

Schätte räumte gleich doppelt ab: Neben dem Hauptpreis erhielt sie auch den mit 7.000 Euro dotierten BKS-Bank-Publikumspreis, über den die Zuschauerinnen und Zuschauer abstimmen. Dass dieselbe Autorin Jury und Publikum gleichermaßen für sich einnimmt, kommt nicht jedes Jahr vor – und unterstreicht, wie unmittelbar ihr Text wirkte.

Die weiteren Preisträger

Auch die übrigen Auszeichnungen der Jubiläumsausgabe wurden vergeben: Der Deutschlandfunk-Preis (12.500 Euro) ging an Ozan Zakariya Keskinkılıç, der Kelag-Preis (15.000 Euro) an Kinga Tóth und der 3sat-Preis (7.500 Euro) an Magdalena Schrefel. Über die Vergabe wachte eine siebenköpfige Jury unter dem Vorsitz von Klaus Kastberger.

Das Jahr 2026 ist für den Wettbewerb in doppelter Hinsicht besonders: Es markiert nicht nur die 50. Verleihung, sondern fällt auch mit dem 100. Geburtsjahr der Namensgeberin Ingeborg Bachmann zusammen. Passend zum Jubiläum wurde das Hauptpreisgeld gegenüber dem Vorjahr von 25.000 auf 30.000 Euro angehoben. Für Lena Schätte dürfte der Auftritt in Klagenfurt der Beginn einer größeren Aufmerksamkeit sein – so wie für viele Bachmann-Preisträgerinnen und -träger zuvor.