Was lange als fader Notbehelf für Vegetarier galt, hat sich gemausert: Der vegane Döner gehört in vielen Städten längst zum Imbiss-Standard. Der Schlüssel heißt Seitan.

Was Seitan eigentlich ist

Seitan ist kein Laborprodukt, sondern simples Handwerk. Es entsteht, wenn man aus Weizenmehl die Stärke herauswäscht, bis nur noch das Klebereiweiß – das Gluten – übrig bleibt. Dieses wird mit Wasser und Gewürzen zu einem Teig verknetet und anschließend gegart. Heraus kommt eine feste, leicht faserige Masse, die dem Biss von Fleisch verblüffend nahekommt. Dass das Prinzip funktioniert, ist nicht neu: In der asiatischen Küche ist Weizeneiweiß als Fleischersatz seit Jahrhunderten bekannt.

Ernährungsphysiologisch punktet Seitan vor allem mit Eiweiß. Laut Healthline liefert es pro kleiner Portion rund 21 Gramm Protein – mehr als Tofu und vergleichbar mit Hühnchen. Dafür ist es fettarm und enthält kaum Kohlenhydrate.

Vom Teig zum Döner

Was einen Döner ausmacht, ist weniger das Fleisch als das Gewürzprofil: Kreuzkümmel, Koriander, Paprika, Oregano, Knoblauch. Beim veganen Döner werden diese Aromen – oft ergänzt um Tomatenmark und Sojasauce – schon in den Teig eingearbeitet, sodass sie nicht nur außen anhaften. Nach dem Garen wird der Seitan in dünne Scheiben geschnitten und bei großer Hitze auf dem Grill oder in der Pfanne kross angebraten. Genau dieses Rösten ist entscheidend, betont eat-this.org: An den Rändern karamellisieren die Gewürze, die Textur wird knusprig, und es entstehen die rauchigen Noten, die man vom klassischen Spieß kennt.

Der Rest ist Döner-Logik

Ab da läuft alles wie gewohnt: warmes Fladenbrot, Salat, Tomate, Zwiebeln, reichlich Kraut – und eine cremige Knoblauchsoße auf pflanzlicher Basis. Wer zu Hause keinen Holzkohlegrill hat, kommt mit einer heißen gusseisernen Pfanne ebenso ans Ziel. Hauptsache, die Hitze ist hoch genug, damit der Seitan röstet und nicht schmort.

Eine wichtige Einschränkung

Bei aller Begeisterung: Seitan besteht fast vollständig aus Gluten. Für Menschen mit Zöliakie oder einer Glutenunverträglichkeit ist er damit tabu. Für alle anderen ist der gegrillte Seitan-Döner eine sättigende, eiweißreiche Alternative – und ein gutes Beispiel dafür, dass pflanzliche Küche längst kein Verzicht mehr sein muss.