Ein Kleinbus ohne Fahrer, der per App kommt und mehrere Fahrgäste einsammelt: Was nach Zukunft klingt, will Volkswagen schon bald auf deutsche Straßen bringen.
Was Moia vorhat
Moia ist eine Tochter des Volkswagen-Konzerns und betreibt in Hamburg seit Jahren einen elektrischen Ride-Pooling-Dienst – Sammelfahrten, die per App gebucht werden. Der nächste Schritt ist der ID. Buzz AD, eine autonome Variante des elektrischen VW-Bullis. Das Kürzel „AD“ steht für „Autonomous Driving“: Das Fahrzeug soll ohne menschlichen Fahrer auf Stufe 4 fahren, gestützt auf ein Sensorpaket aus Kameras, Lidar- und Radarsystemen und die Technik des Zulieferers Mobileye. Vermarktet wird das Ganze als Komplettpaket aus Fahrzeug, Flottensoftware und Betrieb, das Volkswagen auch anderen Städten und Verkehrsbetrieben anbieten will.
Der kommerzielle Start ist ab 2026 in Hamburg geplant, zunächst schrittweise und mit einer begrenzten Nutzergruppe. Auch in Berlin wird der autonome Bus gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr erprobt.
Deutschland: rechtlich vorn
Beim rechtlichen Rahmen ist Deutschland tatsächlich ein Vorreiter. Seit dem 1. Juli 2022 erlaubt das Gesetz zum autonomen Fahren den Betrieb fahrerloser Level-4-Fahrzeuge in festgelegten Bereichen im öffentlichen Straßenverkehr – bundesweit. Anders als in den USA verlangt Deutschland allerdings eine formelle Zulassung durch das Kraftfahrt-Bundesamt. Wie heise autos anmerkt, ist nicht das Gesetz die größte Hürde, sondern die technische Reife und die Kosten für die Serienproduktion.
USA und China: praktisch voraus
Im Alltagsbetrieb hängen andere Deutschland ab. Waymo, die Robotaxi-Tochter des Google-Mutterkonzerns Alphabet, befördert in mehreren US-Städten wie San Francisco und Phoenix längst Fahrgäste ohne Fahrer – in großem Maßstab. Auch nach Europa weitet das Unternehmen seine Aktivitäten aus. In China wiederum betreibt der Konzern Baidu mit seinem Dienst Apollo Go fahrerlose Taxis in zahlreichen Städten und expandiert rasant, auch wenn es immer wieder Berichte über technische Pannen gibt.
Der Belastungstest steht bevor
Für Volkswagen wird 2026 zur Bewährungsprobe: Gelingt der Sprung vom Prototyp zum verlässlichen Flottenbetrieb in Hamburg, könnte Deutschland zum Referenzmarkt für reguliertes autonomes Fahren in Europa werden. Verzögern sich Zulassung oder Technik, dürften die internationalen Vorreiter ihren Vorsprung weiter ausbauen. Der rechtliche Rahmen steht – jetzt muss die Technik liefern.



