Eine Cola hier, ein Eistee dort – Flüssigzucker summiert sich. Genau hier setzt eine seit Jahren diskutierte Idee an: eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke.
Die Forderung
In Deutschland machen sich Verbraucherorganisationen wie Foodwatch sowie zahlreiche Ärztinnen und Ärzte seit Längerem für eine gestaffelte Abgabe auf Limonaden und Co. stark. Das Grundprinzip: Je mehr Zucker ein Getränk enthält, desto höher die Abgabe. Ziel ist nicht in erster Linie, den Staat reicher zu machen, sondern Hersteller zu bewegen, ihre Rezepturen zu ändern – und langfristig ernährungsbedingte Krankheiten wie Typ-2-Diabetes und Übergewicht einzudämmen.
Das britische Modell
Wie eine solche Steuer in der Praxis wirkt, lässt sich in Großbritannien beobachten. Dort gilt seit April 2018 die Soft Drinks Industry Levy. Sie kennt zwei Stufen: Getränke mit mindestens fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter zahlen einen niedrigeren Satz, ab acht Gramm greift ein höherer. Cola und Energydrinks, die oft zehn bis elf Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten, fallen in die obere Kategorie.
Entscheidend ist die Lenkungswirkung: Viele Hersteller senkten den Zuckergehalt ihrer Produkte deutlich, um die Abgabe zu vermeiden. Genau dieser Effekt – weniger Zucker in den Flaschen, oft ohne dass die Verbraucher es merken – gilt als der eigentliche Erfolg des britischen Modells.
Was die WHO sagt
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt fiskalische Maßnahmen, die den Preis zuckerhaltiger Getränke um mindestens 20 Prozent anheben – dann sinke der Konsum spürbar. Zuckerhaltige Getränke gelten als besonders problematisch, weil flüssiger Zucker kaum sättigt und so viele zusätzliche Kalorien liefert. Weltweit haben bereits zahlreiche Länder eine Form der Getränkebesteuerung eingeführt.
Die Gegenargumente
Kritiker sehen in einer Zuckersteuer eine „regressive" Abgabe, die einkommensschwächere Haushalte stärker trifft, weil diese einen größeren Teil ihres Budgets für Lebensmittel ausgeben. Befürworter halten dagegen, dass gerade diese Gruppen häufiger von Übergewicht und Diabetes betroffen seien und von zuckerärmeren Rezepturen am meisten profitieren würden.
Ob und wann Deutschland ein konkretes Gesetz vorlegt, ist offen. Klar ist nur: Die Debatte ist mit den Erfahrungen aus Großbritannien um einiges konkreter geworden.



