41 Grad auf dem Thermometer, tropische Nächte, Hitzewarnungen über Tage: Die aktuelle Hitzewelle wirft die alte Frage neu auf – wie viel davon ist Klimawandel?
Rekordwerte im Juni
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gibt seit Mitte Juni über einen ungewöhnlich langen Zeitraum Hitzewarnungen aus – so früh und so ausgedehnt wie selten seit Einführung des Warnsystems im Jahr 2005. Begleitet wird die Hitze von Spitzenwerten um 41 Grad und Nächten, die in Teilen des Landes kaum unter 26 Grad fielen. Solche Tropennächte sind besonders belastend, weil dem Körper die nächtliche Erholung fehlt.
Wetter ist nicht Klima
Eine einzelne Hitzewelle ist zunächst ein Wetterereignis: Eine bestimmte Großwetterlage – etwa ein stabiles Hochdruckgebiet – staut heiße Luft über Mitteleuropa. Klima dagegen beschreibt statistische Muster über Jahrzehnte. Diese Unterscheidung ist entscheidend, denn sie bestimmt, welche Aussagen seriös sind. Kein verantwortlicher Forscher behauptet, der Klimawandel verursache eine konkrete Hitzewelle. Was die Wissenschaft aber zeigt: Er macht solche Ereignisse häufiger, intensiver und länger.
Was die Attributionsforschung leisten kann
Die noch junge Attributionsforschung vergleicht mit Klimamodellen zwei Welten – eine mit menschlichem Einfluss, eine ohne. So lässt sich abschätzen, wie stark der Klimawandel ein Ereignis beeinflusst hat. Die Gruppe World Weather Attribution kommt für die jüngsten europäischen Hitzewellen zu klaren Befunden: Die Höchsttemperaturen liegen heute mehrere Grad über vergleichbaren Ereignissen früherer Jahrzehnte, und extreme Tageswerte in Westeuropa steigen rund dreimal schneller als der globale Mittelwert. Auch der DWD beziffert für untersuchte Einzelfälle, dass der Klimawandel ihre Wahrscheinlichkeit teils verzehnfacht hat.
Ein klarer Langzeittrend
Über die Jahrzehnte ist die Entwicklung eindeutig. Nach Daten des Umweltbundesamtes und des DWD hat sich die Zahl der heißen Tage mit über 30 Grad in Deutschland seit den 1950er Jahren von im Schnitt rund drei auf knapp neun pro Sommer erhöht. Europa gilt als der sich am schnellsten erwärmende Kontinent. Was früher als Ausnahme galt, wird zur neuen Normalität.
Die gesundheitlichen Folgen
Hitze ist eine unterschätzte Gefahr. Das Umweltbundesamt führt für die Hitzesommer 2018 und 2019 zusammen rund 15.600 hitzebedingte Todesfälle in Deutschland an – betroffen sind vor allem ältere und vorerkrankte Menschen. In dicht bebauten Innenstädten verschärft der Wärmeinseleffekt die Lage. Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl hitzebedingter Todesfälle ohne Gegenmaßnahmen weiter steigen könnte.
Einordnung
Die aktuelle Hitze ist ein einzelnes Wetterereignis – aber eines, das sich in einen gut belegten Trend einfügt. Die Attributionsforschung kann nicht jedem Hitzetag eine exakte Klimakomponente zuweisen. Die Grundrichtung jedoch ist robust: Die Erderwärmung verschiebt die Wahrscheinlichkeiten hin zu mehr Extremhitze.



