Ein Apfel mit dem Namen eines Urzeit-Riesen soll dem deutschen Obstbau helfen, der Zukunft standzuhalten.
Robust statt empfindlich
Die neue Sorte heißt „Mammut“ und wird unter der Marke „FAIRDI – Natürlich vom Bodensee“ vermarktet. Ihr wichtigstes Merkmal ist nach Angaben der Schwäbischen Zeitung die Widerstandsfähigkeit gegen Apfelschorf – die gefürchtetste Pilzkrankheit im Erwerbsobstbau, die in regenreichen Sommern ganze Ernten vernichten kann. Klassische Sorten müssen dafür vielfach gespritzt werden; der Mammut kommt mit deutlich weniger Pflanzenschutz aus. Hinzu kommt eine lange Lagerfähigkeit: Auch nach etwa einem halben Jahr soll die Frucht noch frisch schmecken – ein Vorteil für den Handel.
Ein langer Züchtungsweg
Hinter der Sorte steht eine jahrelange Entwicklung. Gezüchtet wurde der Mammut von Dr. Franz Rueß an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg, erprobt und zur Marktreife gebracht wurde er in einem Projekt am Bodensee. Seit 2021 wachsen an Modellstandorten in der Region tausende Bäume verschiedener neuer Sorten; das Land Baden-Württemberg förderte das Vorhaben mit rund 600.000 Euro. Ziel war es, Sorten zu finden, die mit wenig Chemie auskommen, Wetterextremen trotzen – und trotzdem schmecken.
Vom Versuchsfeld in den Verkauf
Im Frühjahr 2025 kamen die ersten Mammut-Äpfel in den Handel und waren nach Angaben der Initiatoren rasch vergriffen. Seither wächst die Anbaufläche, und für die kommende Ernte rechnen die Erzeuger mit einer deutlich größeren Menge. Vermarktet wird der Apfel bewusst nicht unter seinem Zuchtnamen, sondern unter dem Markendach FAIRDI, das für reduzierten Pflanzenschutz und nachhaltigen Anbau stehen soll.
Eine Region unter Druck
Hinter dem Optimismus steckt eine ernste Lage. Der Obstbau am Bodensee leidet unter steigenden Temperaturen, häufigeren Spätfrösten und strengeren Auflagen beim Pflanzenschutz. Traditionssorten sind unter diesen Bedingungen wirtschaftlich schwer zu halten. Die Landesförderung läuft Ende 2026 aus – dann muss sich zeigen, ob der „Mammut“ seinem Namen auch am Markt gerecht wird.



