Kaum ein Markenzeichen ist so bekannt wie der dreizackige Stern. An diesem Sonntag wird er 100 Jahre alt – und blickt in eine unsichere Zukunft.
Eine Vernunftehe von 1926
Die Geschichte beginnt mit zwei Pionieren, die sich nie begegnet sein sollen: Carl Benz, der 1886 das Patent für den ersten Motorwagen anmeldete, und Gottlieb Daimler, der zur selben Zeit schnelle Motoren baute. Den Markennamen erfand später ein Händler: Emil Jellinek taufte seine Daimler-Rennwagen nach seiner Tochter Mercédès und ließ den Namen 1902 schützen.
Am 28. Juni 1926 schlossen sich die Daimler-Motoren-Gesellschaft und Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG zusammen – keine Liebesheirat, sondern eine Vernunftehe in der Wirtschaftskrise der Weimarer Republik, auf Drängen der Deutschen Bank. Mit der Fusion entstand die Marke Mercedes-Benz; das berühmte Logo aus Stern, Lorbeerkranz und Schriftzug wurde wenige Wochen später, am 21. August 1926, eingetragen. Aus der Notlösung wurde einer der erfolgreichsten Markenzusammenschlüsse der Wirtschaftsgeschichte.
Der Stern unter Druck
Hundert Jahre später ist die Lage zwiespältig. Der Konzern beschäftigt rund 164.000 Menschen und setzte zuletzt etwa 132 Milliarden Euro um – steckt aber in einer Gewinnkrise: Der Jahresüberschuss brach laut Geschäftszahlen von rund 10,4 Milliarden Euro (2024) auf etwa 5,3 Milliarden Euro (2025) ein – fast eine Halbierung.
Die Gründe: US-Zölle, ungünstige Wechselkurse und vor allem der harte Wettbewerb in China, wo Hersteller wie BYD mit günstigen Elektroautos das Premiumsegment unter Druck setzen. Hinzu kommt eine eigene Strategiefrage: Vorstandschef Ola Källenius hatte Mercedes konsequent ins Luxussegment gelenkt – was zunächst aufging, dann aber das breitere Volumengeschäft vermissen ließ, als die Nachfrage nach teuren Autos nachließ.
Zurück in die Zukunft
Die Antwort des Konzerns ist eine groß angelegte Produkt- und Technologieoffensive mit vielen neuen Modellen und Schwerpunkt auf Software und Elektromobilität. Auffällig: Die 2021 verkündete Strategie, ab den 2030er-Jahren nur noch Elektroautos zu bauen, wurde 2024 wieder kassiert. Neben Stromern sollen modernisierte Verbrenner und Hybride länger im Programm bleiben – eine pragmatische Wende, die zeigt, wie stark der Markt die Planungen der Hersteller verändert hat.
Ein Jahrhundert, viele offene Fragen
Was Carl Benz und Gottlieb Daimler nie hatten, ist eine gemeinsame Marke. Was Mercedes-Benz heute besitzt, ist genau das – eine der stärksten Marken der Welt. Ob das reicht, um das zweite Jahrhundert in einer elektrifizierten, softwaregetriebenen und zunehmend von China geprägten Autowelt ähnlich erfolgreich zu gestalten wie das erste, wird sich erst zeigen. Das Jubiläum fällt damit in eine Phase, in der der Glanz des Sterns und der Gegenwind der Branche eng beieinanderliegen.



