Der Cayenne war einst der Retter von Porsche – das Modell, das den Sportwagenbauer in den frühen 2000er-Jahren in die schwarzen Zahlen fuhr. Nun könnte das SUV auch zum Hoffnungsträger für das Werk in Leipzig werden. Doch der Plan hat einen Haken.

Verlagerung mit Bedingung

Nach übereinstimmenden Medienberichten will Porsche die Produktion des Cayenne vom slowakischen Bratislava ins sächsische Leipzig holen. Der Sportwagenbauer bestätigte offiziell lediglich, dass Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern laufen. Die Bedingung für den Umzug sorgt in der Belegschaft für Unruhe: Die Beschäftigten sollen spürbare Zugeständnisse bei den Löhnen machen. Der Grund liegt auf der Hand – die Lohnkosten in der Slowakei liegen deutlich unter dem deutschen Niveau. Damit sich die Verlagerung für Porsche rechnet, müsste diese Differenz zumindest teilweise ausgeglichen werden.

Ein Werk unter Druck

Hintergrund der Pläne ist die angespannte Lage des Konzerns. Porsche steckt mitten in einer schwierigen Phase: Der Absatz ist rückläufig, vor allem im wichtigen chinesischen Markt, dazu belasten hohe Investitionen in die Neuausrichtung und US-Zölle die Bilanz. Das Werk Leipzig gilt seit Monaten als unterausgelastet. Mit dem Cayenne, dem meistverkauften Modell der Marke, ließe sich die Fertigung in Sachsen wieder füllen.

Für die Beschäftigten ist die Lohnfrage besonders heikel, weil sie erst Anfang 2025 einen Erfolg erkämpft hatten: Seit Januar 2025 gilt im Leipziger Werk die 35-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich, den die IG Metall damals als „historischen Erfolg" feierte. Dieser Erfolg könnte nun zur Verhandlungsmasse werden.

„Noch einige Themen offen"

Gesamtbetriebsratsvorsitzender Ibrahim Aslan bestätigte die laufenden Gespräche, gab sich aber zurückhaltend: Es seien „noch einige Themen offen, über die es zu diskutieren gilt", sagte er laut Medienberichten. Man wolle aber rasch zu einer Lösung kommen. Einen konkreten Zeitplan nannte er nicht.

Parallel trifft Porsche bereits Personalentscheidungen: Medienberichten zufolge sollen bis zum Spätsommer mehrere Hundert Stellen über Aufhebungsverträge abgebaut werden, weitere Beschäftigte könnten vorübergehend zum Mutterkonzern Volkswagen wechseln. Den strategischen Gesamtrahmen will Porsche-Chef Michael Leiters bei einem Kapitalmarkttag im Oktober vorstellen.

Bratislava verliert, Leipzig hofft

Für den Standort Bratislava würde eine Verlagerung das Ende der Cayenne-Fertigung bedeuten – ein herber Verlust. In Leipzig dagegen herrscht vorsichtige Hoffnung: Ein zusätzliches Modell wäre ein klares Bekenntnis zum Standort und zur Beschäftigung. Doch ob der Cayenne kommt – und zu welchen Bedingungen –, hängt von Verhandlungen ab, die bislang zu keinem Abschluss gekommen sind.