Während anderswo die Eismaschine rattert, holen Sizilianerinnen und Sizilianer an heißen Tagen seit Generationen etwas viel Einfacheres aus dem Kühlschrank: den Gelo di Anguria (im Dialekt Gelu di Muluni), einen tiefroten Wassermelonen-Pudding, der auf der Zunge schmilzt und das Thermometer vergessen lässt.

Volksküche, kein Trend

Das Dessert ist fester Bestandteil sizilianischer Sommertradition – etwa zu Ferragosto am 15. August und zum Fest der Stadtpatronin Santa Rosalia in Palermo (Wikipedia). Es ist kein aufwendiges Konditorenwerk, sondern Hausmannskost, die mit wenigen Zutaten auskommt.

Wenige Zutaten, große Wirkung

Die Basis ist frisch gepresster oder pürierter Wassermelonensaft – die Frucht bringt Wasser, Süße und Aroma gleich selbst mit. Etwas Zucker oder Honig rundet ab, und Speisestärke übernimmt die Rolle des Geliermittels, ohne wie Gelatine zu wirken. Das Ergebnis ist weder Saft noch Eis, sondern etwas dazwischen: eine zarte, leicht wabbelnde Masse, die man aus kleinen Gläsern löffelt.

Die klassische Variante geht noch weiter: Zimt gibt Tiefe, gehackte Pistazien sorgen für grüne Tupfer, und kleine Schokostückchen erfüllen einen cleveren Zweck – sie imitieren die schwarzen Kerne einer echten Wassermelone.

So entsteht der Pudding

Die Zubereitung ist unkompliziert: Die Melone wird entkernt, püriert und durch ein Sieb gestrichen, sodass ein klarer roter Saft entsteht. Dieser wird mit Zucker und der angerührten Stärke langsam unter Rühren erwärmt, bis die Masse anzieht und puddingartig wird. Dann kommen die Gewürze hinzu, bevor alles in Förmchen gefüllt und für mehrere Stunden kalt gestellt wird. Erst kurz vor dem Servieren folgt das Topping – ganz nach Familientradition.

Ein hartnäckiger Mythos

Oft heißt es, der Gelo di Anguria gehe auf die arabische Herrschaft über Sizilien zurück. Tatsächlich brachten die Araber Wassermelonen, Zucker und Jasmin auf die Insel. Eine direkte Abstammung des Desserts von der arabisch-sizilianischen Küche ist laut Wikipedia historisch jedoch nicht belegt und gilt als populärer, aber ungesicherter Mythos. Sizilianisch ist der Pudding in jedem Fall – durch und durch.

Warum er zur Hitze passt

Wassermelone besteht zu einem sehr großen Teil aus Wasser. Als gekühlter Pudding versorgt der Gelo di Anguria den Körper an heißen Tagen mit Flüssigkeit und etwas Energie, ohne schwer im Magen zu liegen. Kein Sahne-Exzess, kein Butterteig – nur puristische Kühle in Löffelform. Genau das macht ihn zum idealen Begleiter durch den Hochsommer.