Weiß gedeckte Tische am Deich, dahinter das Watt in der Morgensonne, dazu Kaffee, Marmelade und der Ruf der Möwen: An der deutschen Nordseeküste wird gefrühstückt – und zwar gemeinsam und im großen Stil. Anlass ist der Geburtstag eines besonderen Titels.
Naturschutznote der Spitzenklasse
Am 26. Juni 2009 erkannte die UNESCO das Wattenmeer als Weltnaturerbe an – als Landschaft von „außergewöhnlichem universellem Wert". Damit steht das flache, auf den ersten Blick unscheinbare Küstenland auf einer Stufe mit dem Grand Canyon oder dem Great Barrier Reef. Es ist die höchste Auszeichnung, die einem Naturraum zuteilwerden kann.
39 Orte, drei Länder, ein Tisch
Zum Jahrestag haben sich nach Angaben der Nordwest-Zeitung 39 Küstenorte in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden zusammengetan, um zeitgleich zum Deichfrühstück zu laden. In Niedersachsen koordiniert die Tourismus-Agentur Nordsee die Aktion, in Schleswig-Holstein beteiligen sich mehrere Standorte, darunter die Inseln Sylt, Föhr und Amrum.
Die Nachfrage ist groß: Vielerorts sind die Tische schon im Vorfeld ausgebucht. Was als beschauliches Küstenerlebnis gedacht war, ist zum Publikumsmagneten geworden – ein Zeichen, wie sehr das Bewusstsein für diesen Naturraum gewachsen ist.
Mehr als nur ein Frühstück
Nach dem Essen geht es hinaus ins Watt. Zertifizierte Nationalpark-Guides führen Gäste auf Wattwanderungen und erklären, was das Ökosystem so einzigartig macht: Zweimal täglich legt die Ebbe das größte zusammenhängende Schlick- und Sandwattgebiet der Welt frei. Zehn bis zwölf Millionen Zugvögel rasten hier jedes Jahr, Seehunde und Schweinswale leben vor der Küste. Genuss und Umweltbildung sollen sich verbinden – und das Naturerbe stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.
Ein Erbe, das gepflegt wird
2026 ist für das Wattenmeer ein doppeltes Jubiläumsjahr: Neben dem UNESCO-Status feiert es auch 40 Jahre Nationalpark – die Schutzgebiete in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg wurden ab 1986 ausgewiesen. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der drei Anrainerstaaten zum Schutz des Wattenmeers reicht sogar bis in die 1970er-Jahre zurück. Das gemeinsame Frühstück auf dem Deich ist das sichtbarste Zeichen dafür, dass die Küstengemeinden ihr Erbe nicht nur verwalten, sondern feiern wollen.



