Der Name klingt fernöstlich, die Wurzeln reichen tief in den oberbayerischen Boden: Daiichi Sankyo, 2006 aus der Fusion zweier japanischer Pharmaunternehmen entstanden, hat seinen europäischen Hauptsitz in München – und betreibt im nahen Pfaffenhofen an der Ilm eines seiner weltweit bedeutendsten Produktionswerke. Während internationale Konzerne immer wieder mit Verlagerungen aus Deutschland liebäugeln, bekennt sich das Unternehmen klar zu seinen deutschen Standorten.
Pfaffenhofen: Tabletten für 50 Länder
Das Werk in Pfaffenhofen ist das Herzstück der deutschen Präsenz. Jährlich verlassen dort nach Unternehmensangaben mehr als 90 Millionen Blisterpackungen und über zwei Milliarden Tabletten die Produktionshallen – bestimmt für Märkte in mehr als 50 Ländern. Produziert werden sowohl pharmazeutische Wirkstoffe als auch fertige Darreichungsformen; zu den wichtigsten Produkten zählen der Blutdrucksenker Olmesartan und der Gerinnungshemmer Edoxaban.
Pfaffenhofen ist dabei mehr als eine Fabrik: Der Standort trägt nach Firmenangaben eine führende Rolle in der galenischen Forschung – also in der Frage, wie Wirkstoffe in anwendbare, gut dosierbare Medikamente überführt werden. Regelmäßige Audits der US-Behörde FDA und der europäischen Arzneimittelagentur EMA bestätigen die Qualität.
Drei Standorte, eine Strategie
Neben Pfaffenhofen und dem Münchner Europahauptsitz unterhält Daiichi Sankyo in Martinsried bei München ein Forschungszentrum. Damit bündelt der Konzern in Deutschland Steuerung, Fertigung und Forschung. In seinen europäischen Ländergesellschaften beschäftigt das Unternehmen rund 2.500 Menschen.
Strategisch setzt Daiichi Sankyo zuletzt stark auf die Onkologie: Mit Präparaten wie Enhertu gegen verschiedene Krebsarten baut der Konzern eines der wachstumsstärksten Felder der Branche aus. Eine leistungsfähige Produktionsbasis in Deutschland passt zu diesem Anspruch.
Gegentrend zur Standortflucht
Das Bekenntnis zum Standort ist nicht selbstverständlich. Hohe Energiekosten, Bürokratie und strenge Preisregeln im Gesundheitswesen gelten als Belastungen für die Pharmaproduktion in Deutschland. Dass ein japanischer Konzern dennoch auf den Standort setzt, werten Branchenvertreter als positives Signal – und für Pfaffenhofen an der Ilm bedeutet es vor allem eines: Sicherheit für die Beschäftigten und ein Stück wirtschaftliche Stabilität in unsicheren Zeiten.



