Immer wieder kursiert die Sorge, mit dem digitalen Euro werde das Bargeld abgeschafft. Die Europäische Zentralbank (EZB) tritt dem entschieden entgegen. Doch was ist der digitale Euro überhaupt – und was würde er für den Alltag bedeuten?
Was ist der digitale Euro?
Der digitale Euro wäre weder eine Kryptowährung noch die App eines privaten Konzerns, sondern digitales Zentralbankgeld, herausgegeben von der EZB – gewissermaßen die elektronische Schwester von Münzen und Scheinen. Jeder im Euroraum soll ihn kostenlos nutzen können: über die App der eigenen Bank, eine Eurosystem-App oder eine physische Karte.
Wann könnte er kommen?
Ein fixer Starttermin steht nicht fest. Nach dem Fahrplan der EZB soll die nötige EU-Gesetzgebung im Laufe des Jahres 2026 verabschiedet werden. Eine Pilotphase mit echten Zahlungen in Geschäften und im Internet ist für die zweite Hälfte 2027 geplant und auf zwölf Monate angelegt. Eine erste tatsächliche Ausgabe wird frühestens für 2029 angepeilt – und nur, wenn der EZB-Rat zustimmt. Die Ende 2023 begonnene Vorbereitungsphase ist also noch kein Beschluss zur Einführung.
Die Kampfansage an Visa und Mastercard
Ein zentrales Motiv ist europäische Zahlungssouveränität. Viele Euroraum-Länder sind bei Kartenzahlungen fast vollständig auf internationale Anbieter wie Visa oder Mastercard angewiesen – beides US-Konzerne. Ein im gesamten Euroraum funktionierender digitaler Euro würde diese Abhängigkeit verringern. Denkbar ist auch ein „Co-Badging": Der digitale Euro könnte neben Visa oder Mastercard auf derselben Karte erscheinen.
Wer sieht meine Zahlungen?
Datenschutz ist der politisch heikelste Punkt. Bei Offline-Zahlungen – etwa direkt zwischen zwei Smartphones ohne Internet – sollen laut EZB nur Käufer und Verkäufer von der Transaktion wissen, ähnlich wie beim Bezahlen mit Bargeld. Bei Online-Zahlungen sehen Banken und Zahlungsdienstleister die Daten, weil das Geldwäscherecht es verlangt. Die EZB selbst soll jedoch keinen Zugriff auf persönliche Daten oder Kaufhistorien haben.
Wie viel digitaler Euro ist erlaubt?
Damit in einer Bankenkrise nicht massenhaft Guthaben in digitale Euro umgeschichtet wird und Banken ins Wanken geraten, ist eine Obergrenze im Gespräch. In Analysen untersuchte die EZB ein Haltelimit von bis zu 3.000 Euro pro Person – auf Wunsch der Gesetzgeber und ausdrücklich nicht als endgültige Festlegung.
Bleibt das Bargeld?
Ja. Das ist der Punkt, in dem die EZB keinen Zweifel lässt: Der digitale Euro solle das Bargeld „ergänzen, nicht ersetzen". Münzen und Scheine blieben gesetzliches Zahlungsmittel und weiterhin verfügbar. Wer mit Bargeld zahlen will, soll das auch künftig tun können – der digitale Euro ist als zusätzliche Wahlmöglichkeit gedacht, nicht als Zwang.



