Kein Schalthebel, kein Hantieren mit dem Ladekabel, kein manuelles Wählen der Unterstützungsstufe: So stellt sich der Hersteller Hepha das Stadtrad der Zukunft vor. Mit dem Konzeptmodell Urban X zeigt das Unternehmen ein E-Bike, das gleich drei ungewöhnliche Fähigkeiten vereint – schnelles Laden, Energierückgewinnung und ein Automatikgetriebe (heise online). Wichtig vorab: Es handelt sich um einen Prototyp, nicht um ein Serienprodukt.
Ein Getriebe, das mitdenkt
Herzstück ist ein stufenloses Automatikgetriebe (eCVT), kombiniert mit einem Mittelmotor. Anders als bei Ketten- oder Nabenschaltung gibt es keine festen Gänge: Die Übersetzung passt sich laut Hersteller stufenlos und in Echtzeit an das Tempo und die Tretkraft an. Der Fahrer gibt nur die Trittfrequenz vor, das System regelt den Rest. Die Nenndauerleistung des Motors liegt bei den für Pedelecs üblichen 250 Watt mit Unterstützung bis 25 km/h.
Bremsen, das den Akku füllt
Zweites Element ist die Rekuperation – die Energierückgewinnung beim Verzögern. Wer aufhört zu treten oder bergab rollt, aktiviert nach Herstellerangaben automatisch eine generatorische Bremswirkung: Das Rad wird langsamer, ein Teil der Bewegungsenergie fließt zurück in den Akku. Wie viel Reichweite das tatsächlich bringt, nennt Hepha nicht – ein wichtiger Punkt, denn der Effekt hängt stark von Fahrstil, Topografie und Verkehr ab. Unabhängige Tests, die solche Angaben überprüfen, gibt es noch nicht.
15 Minuten an der Steckdose
Das spektakulärste Versprechen ist die Ladezeit: Der Akku soll sich mit einem mitgeführten 1,5-Kilowatt-Ladegerät in rund 15 Minuten zu 80 Prozent füllen lassen – an einer normalen Haushaltssteckdose. Zum Vergleich: Marktübliche E-Bike-Ladegeräte liefern meist 50 bis 100 Watt und brauchen für eine volle Ladung mehrere Stunden. Eine so hohe Ladeleistung ist technisch möglich, für die Akkuzellen aber anspruchsvoll. Ob sie sich dauerhaft erreichen lässt und wie sie sich auf die Lebensdauer des Akkus auswirkt, müsste erst ein Langzeittest zeigen.
Aussicht: frühestens 2028
Hier ist Nüchternheit angebracht: Das Urban X ist ein fahrbarer Prototyp. Laut heise will Hepha Teile des Konzepts ab 2028 in Serie bringen; einen Preis nannte das Unternehmen noch nicht. Das Konzept zeigt dennoch eine Richtung, in die sich Stadträder entwickeln könnten – hin zu einem E-Bike, das sich dem Menschen anpasst statt umgekehrt. Ob die Technik im Alltag hält, was sie auf der Messe verspricht, wird sich allerdings erst zeigen müssen.



