Es ist eines der größten Leseförderprogramme Deutschlands – und es steht vor dem Aus: Die Bundesförderung für „Lesestart 1-2-3" der Stiftung Lesen läuft Ende 2026 aus. Ab 2027 fließt kein Bundesgeld mehr in das Projekt, das Kleinkinder früh ans Lesen heranführen soll.

Bücher aus der Kinderarztpraxis

Seit 2011 setzt die Stiftung Lesen das Programm bundesweit um. Verteilt werden die Lesestart-Sets – mit altersgerechten Bilderbüchern und einem mehrsprachigen Ratgeber fürs gemeinsame Anschauen und Vorlesen – über Kinder- und Jugendarztpraxen sowie teilnehmende Bibliotheken, eingebunden in die regulären Vorsorgeuntersuchungen. Zielgruppe sind Familien mit Kindern im Alter von einem, zwei und drei Jahren.

Der niedrigschwellige Ansatz gilt als Stärke des Programms: Weil praktisch alle Familien die ärztlichen Vorsorgetermine wahrnehmen, erreicht Lesestart auch Haushalte, in denen Bücher und Vorlesen sonst keine große Rolle spielen – unabhängig von Herkunft und Bildungsstand. Frühes Vorlesen gilt als wichtiger Baustein für Sprachentwicklung und spätere Lesekompetenz. Nach Angaben der Stiftung Lesen schlägt ein Programm-Jahrgang mit rund 2,5 Millionen Euro zu Buche.

Verbände warnen vor den Folgen

Die Entscheidung, die Förderung nicht zu verlängern, stößt auf scharfe Kritik. Der Bundesverband Leseförderung und die Stiftung Lesen selbst warnen vor den Konsequenzen für die frühkindliche Sprach- und Leseförderung. Auch der frühere VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann äußerte sich kritisch.

Die Kritiker verweisen auf die Bildungsforschung: Seit Jahren weisen Studien auf nachlassende Lesekompetenz und wachsende Bildungsungleichheit hin. Gerade ein Programm, das Familien jenseits des klassischen Bildungsbürgertums erreiche, dürfe nicht gestrichen werden, lautet der Tenor – Beobachter sprechen von einem „verheerenden" beziehungsweise „fatalen Signal".

Wie es weitergeht, ist offen

Ob Bundesländer, Stiftungen oder die Stiftung Lesen selbst das Programm mit anderen Mitteln fortführen können, ist derzeit nicht geklärt. Klar ist nur: In seiner bisherigen, bundesweit einheitlichen Form verliert Lesestart 1-2-3 zum Jahreswechsel seine finanzielle Grundlage.