US-Präsident Donald Trump hat europäischen Staaten mit drastischen Strafzöllen gedroht: Jedes Land, das eine Digitalsteuer auf amerikanische Technologiekonzerne erhebt, werde sofort mit einem Zoll von 100 Prozent auf sämtliche Exporte in die USA belegt. Wie PBS berichtet, verkündete Trump die Drohung über sein Netzwerk Truth Social – und stellte klar, der Zoll solle auch bestehende Handelsabkommen außer Kraft setzen.
Worum es geht
Anlass sind sogenannte Digital Services Taxes: Abgaben auf die Umsätze großer Plattformkonzerne wie Google, Meta, Amazon und Apple. Frankreich erhebt eine solche Steuer seit 2019, Großbritannien und Österreich haben eigene Varianten. Washington wertet sie als Diskriminierung amerikanischer Unternehmen. Trump hatte zuletzt bereits gezielt mit 100-Prozent-Zöllen auf französischen Wein und Champagner gedroht.
Der Handelsdeal wackelt
Die Eskalation trifft einen empfindlichen Punkt: Im Mai hatten die EU und die USA einen Handelspakt vereinbart, der die US-Zölle auf die meisten europäischen Industriegüter bei 15 Prozent deckelt. Digitalsteuern waren aus diesem Abkommen aber bewusst ausgeklammert und blieben ein Streitpunkt. Mit der neuen Drohung steht der Pakt unter Druck.
Was das für Deutschland bedeutet
Für die exportstarke deutsche Wirtschaft wären 100-Prozent-Zölle ein schwerer Schlag. Die USA sind ein zentraler Absatzmarkt für Autos, Maschinen und Chemieprodukte; schon die bestehenden Zölle belasten Hersteller wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz. Ein Sprung auf 100 Prozent würde viele Produkte auf dem US-Markt praktisch unverkäuflich machen. Die EU-Kommission hat für den Ernstfall eine umfangreiche Gegenzollliste vorbereitet.
Druckmittel mit Wirkung
Dass Trumps Taktik wirken kann, zeigte zuletzt Kanada: Ottawa zog eine geplante Digitalsteuer nach US-Druck zurück. Europa steht damit vor einer schwierigen Wahl – dem Druck nachgeben und auf Einnahmen verzichten oder an den Digitalsteuern festhalten und einen neuen Zollschock riskieren. Offizielle Reaktionen aus Brüssel und Berlin auf die jüngste Drohung standen zunächst aus.



