Mercedes-Benz zieht die Daumenschrauben an: Der Stuttgarter Autobauer verschärft seinen Sparkurs – und nimmt dabei die Beschäftigten in die Pflicht. Wie t-online berichtet, wirbt das Management intern dafür, für das gleiche Geld mehr zu arbeiten – etwa über eine Rückkehr zu längeren Wochenarbeitszeiten ohne Lohnausgleich.
Sonderzahlung verschoben
Zusätzlich hat das Unternehmen entschieden, eine jährliche Sonderzahlung (den sogenannten Transformationsbaustein in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsgehalts) zu verschieben. Für viele der rund 90.000 betroffenen Beschäftigten in Deutschland bedeutet das im laufenden Jahr ein spürbares Minus. Der Gesamtbetriebsrat kritisiert die einseitige Entscheidung scharf.
Begründung: Gewinneinbruch
Mercedes verweist zur Begründung auf die angespannte Lage: Der Konzerngewinn brach 2025 nach Unternehmensangaben deutlich ein. Als Ursachen gelten die schwache Nachfrage in China, Handelshemmnisse und hohe Kosten am Standort Deutschland. Im Rahmen eines Sparprogramms peilt der Konzern Milliardeneinsparungen an; ein freiwilliges Abfindungsprogramm läuft bereits, mehrere kleinere Standorte wurden geschlossen.
Widerstand von IG Metall und Betriebsrat
Die Arbeitnehmervertreter lehnen die Pläne ab. Eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Ausgleich sei nicht hinnehmbar – zumal Teile der Werke nicht ausgelastet seien. Zudem könne die Wochenarbeitszeit gar nicht auf Betriebsebene festgelegt werden, sondern nur von den Tarifparteien IG Metall und Gesamtmetall. Die Gewerkschaft pocht auf den Erhalt der Tarifverträge und der Beschäftigungssicherung.
Teil der Branchenkrise
Der Sparkurs bei Mercedes steht beispielhaft für die Krise der deutschen Autoindustrie. Auch bei Volkswagen stehen tiefe Einschnitte im Raum, ebenso ringen andere Hersteller mit sinkenden Margen und dem Rückstand gegenüber chinesischer Konkurrenz. Ob „mehr Arbeit für gleiches Geld" die Wettbewerbsfähigkeit zurückbringt oder vor allem den Betriebsfrieden gefährdet, ist offen.



