Geht uns das Wasser aus? Die nackte Bilanz sagt: nein. Deutschland verfügt über ein großes jährliches Wasserdargebot, und genutzt wird davon nur rund ein Zehntel. Von flächendeckendem Wasserstress wie in Südeuropa kann keine Rede sein. Doch dieser Durchschnitt verbirgt das eigentliche Problem, wie Spektrum der Wissenschaft erläutert: Wann und wo das Wasser ankommt, verändert sich.
Was Satelliten zeigen
Die GRACE-Satelliten der NASA vermessen seit 2002 indirekt die gesamten Wasserspeicher der Erde. Die Auswertungen, die das Umweltbundesamt als Indikator führt, zeigen einen langfristigen Trend: Deutschland und weite Teile Mitteleuropas verlieren über die Jahre netto Wasser. Es geht dabei nicht um eine einzelne Dürre, sondern um eine schleichende Entwicklung.
Das Gedächtnis des Bodens
Der vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung betriebene Dürremonitor macht sichtbar, wie tief die Trockenheit reicht. Während der Oberboden nach Regen rasch wieder feucht wird, halten sich in tieferen Schichten Defizite über Jahre – ein Nachhall der extremen Dürrejahre 2018 bis 2020. Grundwasser, das sich nur langsam neu bildet, holt solche Lücken nicht in einer Saison auf.
Hitze als Beschleuniger
Niederschlag ist nicht gleich nutzbares Wasser: Steigende Temperaturen erhöhen die Verdunstung stark, sodass an heißen Tagen viel Wasser verdampft, bevor es Boden und Grundwasser erreicht. Trockene Böden verlieren zudem ihre Kühlwirkung und heizen die Luft weiter auf – ein selbstverstärkender Kreislauf. Europa erwärmt sich dabei schneller als andere Kontinente.
Was auf dem Spiel steht
Der Großteil des deutschen Trinkwassers stammt aus Grund- und Quellwasser. Sinken die Pegel dauerhaft, drohen höhere Kosten und regionale Engpässe; einzelne Kommunen rufen in Trockenphasen bereits zum Sparen auf. Landwirtschaft und Wälder leiden unmittelbar, an Rhein und Mosel gefährden Niedrigpegel Schifffahrt und Kraftwerkskühlung.
Was zu tun ist
Fachleute fordern seit Jahren ein besseres Wassermanagement: mehr Rückhalt in der Landschaft, Renaturierung von Flüssen, Entsiegelung, trockenresistente Sorten und widerstandsfähigere Mischwälder. Die 2023 beschlossene Nationale Wasserstrategie benennt zahlreiche Maßnahmen. Der Kern bleibt: Ein Land, das Wasser stets für selbstverständlich hielt, muss lernen, es als knappe Ressource zu bewirtschaften – klug verteilt und zeitlich gepuffert.



