Deutschland heiratet immer seltener. Im Jahr 2024 gaben sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 349.200 Paare das Jawort – der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 1950. Zugleich registrierte die Behörde wieder einen leichten Anstieg der Scheidungen. Hinter den Zahlen steht kein kurzfristiger Ausreißer, sondern ein langfristiger Trend.

Später – und seltener

Die Ehe wird nicht abgelehnt, sondern aufgeschoben: Das durchschnittliche Erstheiratsalter ist über die Jahrzehnte deutlich gestiegen und liegt inzwischen für Frauen bei rund 33, für Männer bei rund 35 Jahren – jeweils etwa sechs Jahre höher als Mitte der 1990er-Jahre. Drei von vier Eheschließungen waren Erstheiraten. Etwa drei Prozent der Ehen schlossen gleichgeschlechtliche Paare, seit die „Ehe für alle" 2017 eingeführt wurde.

Wieder etwas mehr Scheidungen

Bei den Scheidungen meldete Destatis für 2024 rund 129.300 Fälle – ein minimaler Anstieg von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Destatis). Das ist ein leichter Bruch mit dem langjährigen Rückgang: Seit dem Hoch von rund 214.000 Scheidungen im Jahr 2003 ist die Zahl um fast 40 Prozent gesunken. Eine mögliche Erklärung für den kleinen Anstieg ist ein Nachholeffekt aus der Pandemiezeit.

Ehen halten länger

Wer sich trennt, war im Schnitt länger verheiratet als früher: Die durchschnittliche Ehedauer bis zur Scheidung lag 2024 bei knapp 15 Jahren, gut zwei Jahre mehr als Mitte der 1990er. Scheidungen sind damit immer weniger ein Phänomen junger Paare. In rund der Hälfte der Fälle waren minderjährige Kinder betroffen.

Ein tiefer Wandel

Die Entwicklung spiegelt veränderte Lebensentwürfe wider: nichteheliche Partnerschaften, bewusst Alleinstehende, Patchwork-Familien. Hinzu kommen wirtschaftliche Faktoren wie hohe Wohn- und Lebenshaltungskosten sowie demografische Effekte. Die Ehe als Institution ist nicht verschwunden – aber sie ist seltener und später geworden.