Menschen in wohlhabenden Ländern sitzen viele Stunden am Tag – am Schreibtisch, im Auto, vor Bildschirmen. Dass das auf Dauer schadet, ist bekannt. Weniger klar war: Wie viel Bewegung braucht es, um gegenzusteuern? Eine Studie unter Leitung von Keith Diaz von der Columbia University liefert eine erfreulich einfache Antwort: Schon fünf Minuten Gehen pro Stunde senken die Müdigkeit spürbar und heben die Stimmung. Das berichtet Spektrum der Wissenschaft.
Wie die Studie funktionierte
Das Team gewann die Teilnehmenden über einen Wissenschaftspodcast – ein ungewöhnlicher Weg, der eine große Stichprobe ermöglichte: mehrere Tausend Erwachsene schlossen das Programm ab (Columbia University). Nach einer normalen Ausgangswoche legten sie über zwei Wochen kurze Gehpausen ein – im Rhythmus von 30, 60 oder 120 Minuten, jeweils etwa fünf Minuten in gemächlichem Tempo. Abends bewerteten sie Müdigkeit, Stimmung und Arbeitsleistung.
Das Ergebnis
In allen Gruppen sank die Müdigkeit und besserte sich die Stimmung. Am stärksten wirkten die häufigsten Pausen (alle 30 Minuten) – doch die ließen sich im Alltag am schwersten durchhalten. Die stündliche Variante erwies sich als bester Kompromiss aus Wirkung und Machbarkeit. Wichtig für alle mit Sorge um ihre Produktivität: Die Pausen beeinträchtigten die Arbeitsleistung nicht – das Engagement stieg eher leicht.
Was sonst hilft
Die Studie passt zu einem wachsenden Forschungsfeld zu aktiven Mikropausen. Es muss keine Sporteinheit sein: Treppe statt Aufzug, ein Umweg zum Drucker, kurzes Dehnen – schon gemächliches Gehen genügt.
Grenzen
Die Forschenden weisen selbst auf Einschränkungen hin: Die Angaben zu Müdigkeit und Stimmung beruhten auf Selbstauskunft, und die Stichprobe war nicht repräsentativ. Die praktische Botschaft aber ist eindeutig – und kostenlos: Wer einmal pro Stunde kurz aufsteht und ein paar Minuten geht, tut sich nachweislich etwas Gutes. Ein Wecker am Handy genügt.



