Die Europäische Zentralbank (EZB) baut ihre Aufsicht über die größten Banken des Euroraums um. Im Mittelpunkt steht der sogenannte SREP (Supervisory Review and Evaluation Process), mit dem die EZB jährlich Risikolage und Kapitalausstattung der von ihr direkt beaufsichtigten Institute bewertet. Der Prozess galt lange als aufwendig und bürokratisch – nun soll er deutlich schlanker werden (EZB Bankenaufsicht).
Was sich ändert
Die jährlichen SREP-Bescheide an die Banken werden kürzer und konzentrieren sich auf das Wesentliche: zentrale Risiken, Kapitalanforderungen und konkrete Aufsichtserwartungen. Für Institute mit stabilem Risikoprofil sollen einzelne Bewertungen künftig nicht mehr jedes Jahr, sondern in längeren Abständen erfolgen. Zugleich will die EZB stärker auf Datenanalyse setzen und das Meldewesen entlasten – perspektivisch sollen Banken Daten nur noch einmal melden müssen.
Wen es betrifft
Direkt von der EZB beaufsichtigt werden gut hundert große Institute – darunter die bedeutendsten Häuser der Eurozone wie Deutsche Bank, Commerzbank oder BNP Paribas. Sie stehen für den weitaus größten Teil der Bankaktiva im Euroraum. Insgesamt umfasst der Einheitliche Aufsichtsmechanismus mehrere Tausend Banken.
„Effizienter, nicht weniger streng"
Claudia Buch, Vorsitzende des EZB-Aufsichtsgremiums (und nicht zu verwechseln mit der EZB-Präsidentschaft), betont das Ziel: Die Aufsicht solle „wirksamer, effizienter und stärker risikobasiert" werden – ohne dass Standards sinken. Der Bankensektor sei gut kapitalisiert, operiere aber in einem Umfeld erhöhter geopolitischer Risiken (BIS/EZB).
Kritik
Nicht alle begrüßen den Kurs. Kritiker warnen, die nach der Finanzkrise von 2008 aufgebauten Aufsichtsstandards dürften nicht im Namen der Effizienz ausgehöhlt werden. Tatsächlich sieht die EZB weiter Schwächen – etwa beim Management von Klimarisiken und bei der Cybersicherheit. Ob schlankere Verfahren die Aufsicht schlagkräftiger machen oder Risiken übersehen lassen, wird sich erst in der Praxis zeigen.



