Der Elektroautohersteller Polestar darf in den USA ab dem Modelljahr 2027 keine neuen Fahrzeuge mehr verkaufen. Wie das Handelsblatt berichtet, verweigerte das US-Handelsministerium dem Unternehmen die nötige Genehmigung – auf Grundlage einer Regelung, die vernetzte Fahrzeuge mit chinesischem Software- oder Technikbezug vom US-Markt fernhalten soll.
Worum es geht
Die sogenannte „Connected Vehicle Rule" zielt auf vernetzte Komponenten wie Telematik, Kameras, Mobilfunkmodule und Software. Hintergrund sind Sicherheitsbedenken: Washington fürchtet, dass über solche Systeme chinesische Konzerne an Daten oder Steuerung von Fahrzeugen amerikanischer Halter gelangen könnten.
Die Eigentümerstruktur als Knackpunkt
Ausschlaggebend ist nicht, wo die Autos gebaut werden, sondern wem die Marke gehört: Polestar wird mehrheitlich vom chinesischen Geely-Konzern kontrolliert, zu dem auch Volvo zählt. Pikant: Der Polestar 3 läuft im Volvo-Werk im US-Bundesstaat South Carolina vom Band – ist also kein chinesisches Fabrikat. Trotzdem fällt die Marke unter die Beschränkung. Die ebenfalls zu Geely gehörende Schwestermarke Volvo erhielt dagegen laut Electrek eine Ausnahme und darf weiter verkaufen. Kritiker sehen darin eine widersprüchliche Auslegung der Regel.
Was das konkret bedeutet
Die unmittelbaren Folgen sind zunächst begrenzt: Vorhandene Lagerfahrzeuge dürfen in den USA noch abverkauft werden. Neue Modelle für den US-Markt darf Polestar aber nicht mehr einführen. Software-Beschränkungen greifen ab dem Modelljahr 2027, weitere Auflagen später.
Polestar setzt auf Europa
Für Polestar ist das ein Rückschlag – allerdings spielt der US-Markt für das Unternehmen ohnehin eine kleinere Rolle: Der Großteil der Verkäufe entfällt auf Märkte außerhalb der USA, Europa ist der wichtigste Absatzmarkt. Konzernchef Michael Lohscheller bezeichnete Europa als größten Wachstumsmotor; das Unternehmen will die europäische Fertigung ausbauen. Auch in Deutschland ist Polestar aktiv und verkauft seine Autos direkt an Kunden.
Ein Präzedenzfall
Über den Einzelfall hinaus sendet die Entscheidung ein Signal: Wer eine als chinesisch eingestufte Eigentümerstruktur hat, riskiert den Zugang zum US-Markt – unabhängig davon, wo die Fahrzeuge produziert werden. Das dürfte auch andere Hersteller mit chinesischen Anteilseignern aufhorchen lassen.



