Wenn Uwe Westphal den Mund öffnet, beginnt der Wald zu singen: erst ein Buchfink, dann eine Kohlmeise, gleich darauf eine Amsel – alles aus einer Kehle, ohne Aufnahme, ohne Gerät. Der Hamburger Diplom-Biologe beherrscht nach eigenen Angaben rund 130 Vogelstimmen und insgesamt etwa 200 Tierlaute, die er allein mit Zunge, Lippen und Stimmbändern nachahmt.
Vom Naturschützer zum „Naturetainer"
Westphal, 1957 bei Hamburg geboren, studierte Biologie und arbeitete von 1984 bis 2002 hauptberuflich im Naturschutz, unter anderem beim NABU Hamburg. Seit 2003 ist er freiberuflich als Autor, Referent und Naturführer unterwegs. Seinen Ansatz nennt er „Naturetainment": unterhaltsame Wissensvermittlung, bei der die Vogelstimmen-Imitation kein Showeffekt ist, sondern ein Werkzeug. Wer einen Ruf einmal bewusst gehört hat, erkennt den Vogel später in der Natur wieder.
Hörbücher und Bücher
Auf Exkursionen ahmt Westphal die Rufe direkt im Gelände nach, sodass die Teilnehmenden Klang und Tier sofort verknüpfen. Seine Hörbücher sind eine Besonderheit: Die Vogelstimmen darin sind nicht als Originalaufnahmen eingespielt, sondern von ihm selbst imitiert – und erklärt. Daneben hat er mehrere Bücher veröffentlicht, zuletzt „Vogelstimmen in Wald und Hecke", das auf Exkursionen durchs Jahr ökologische Zusammenhänge zwischen Bäumen und Vogelwelt erklärt.
Mehr als Unterhaltung
Hinter dem charmanten Können steckt ein ernstes Anliegen. Viele heimische Vogelarten sind in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen – Feldvögel wie Kiebitz, Feldlerche oder Rebhuhn haben nach Angaben von Naturschützern vielerorts einen Großteil ihrer Bestände verloren. Wer Vogelstimmen nicht kennt, bemerkt auch nicht, wenn sie verstummen. Genau hier setzt Westphal an: Artenkenntnis ist die Voraussetzung für Artenschutz. Wer einen Vogel an seiner Stimme erkennt, geht anders durch den Wald – aufmerksamer.



