In der Demokratischen Republik Kongo breitet sich einer der schwersten Ebola-Ausbrüche der vergangenen Jahre aus. Wie der Tagesspiegel berichtet, sind bislang 291 Todesfälle und 1.118 bestätigte Infektionen registriert; die Behörden rechnen damit, dass die Zahl der Toten in wenigen Tagen die Marke von 300 überschreitet.
Schwerpunkt im Nordosten
Zentrum des Ausbruchs ist die Provinz Ituri im Nordosten des Landes mit der Hauptstadt Bunia. Nach Einschätzung von Fachleuten verläuft die Epidemie ungewöhnlich rasant: In den ersten fünf Wochen lagen die Fallzahlen höher als bei früheren afrikanischen Ebola-Ausbrüchen im selben Zeitraum.
Ein Virusstamm ohne Impfstoff
Erschwerend kommt der Erreger hinzu: Es handelt sich um den Bundibugyo-Stamm des Ebola-Virus. Anders als gegen das bekanntere Zaire-Ebolavirus, gegen das seit einigen Jahren ein zugelassener Impfstoff existiert, gibt es gegen den Bundibugyo-Stamm weder eine Schutzimpfung noch eine zugelassene spezifische Behandlung. Versorgt werden die Erkrankten daher vor allem mit unterstützender Therapie.
Behandlungszentren am Limit
Die Hilfskräfte stoßen an ihre Grenzen. „Wir müssen Behandlungszentren bauen und die Bettenkapazitäten erhöhen", sagte der Generaldirektor der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC, Jean Kaseya; bereits 95 Prozent der vorhandenen Betten seien belegt. Die Bekämpfung wird zusätzlich durch die schwierige Lage in der Region erschwert: Der Nordosten des Kongo ist von bewaffneten Konflikten, Vertreibung und einer angespannten Versorgungslage geprägt, was den Zugang zu Kranken und die Kontaktverfolgung behindert.
Wettlauf gegen die Zeit
Die Weltgesundheitsorganisation und Partnerorganisationen haben Reaktionsteams entsandt und Material geliefert. Entscheidend ist, Erkrankte rasch zu isolieren, Kontakte nachzuverfolgen und das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen – in einer Region, in der das Gesundheitssystem ohnehin überlastet ist. Der Ausbruch führt erneut vor Augen, wie groß die Lücken bei Impfstoffen und Therapien gegen seltenere Ebola-Stämme bleiben.



