Australien hat mit dem strengsten Social-Media-Verbot der Welt für Aufsehen gesorgt – doch in der Praxis läuft es bislang ins Leere. Wie heise online berichtet, nutzt ein Großteil der betroffenen Jugendlichen die Plattformen weiter.
Das Gesetz
Seit dem 10. Dezember 2025 sind australische Plattformen wie TikTok, Instagram, Facebook, Snapchat, YouTube, Reddit, X und andere verpflichtet, Konten von Unter-16-Jährigen zu verhindern. Bei Verstößen drohen den Unternehmen Bußgelder von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar. Bestraft werden ausschließlich die Plattformen, nicht Kinder oder Eltern. Viele Länder – darunter Großbritannien, Frankreich und Österreich – beobachten das Experiment genau.
Was die Studien zeigen
Eine Untersuchung der Universität Newcastle befragte rund 400 Kinder im Alter von 12 bis 15 Jahren vor und nach dem Stichtag. Das Ergebnis: Bei den 12- bis 13-Jährigen sank die wöchentliche Nutzung der betroffenen Dienste nur von 95 auf 86 Prozent, bei den Älteren von 98 auf 89 Prozent. Die Autorinnen und Autoren betonen, ihre Stichprobe sei nicht repräsentativ. Eine separate Umfrage der Molly Rose Foundation kam zu dem Schluss, dass mehr als 60 Prozent der Jugendlichen mit früheren Konten weiterhin Zugang zu mindestens einer Plattform haben (Fortune).
Wie das Verbot umgangen wird
Die Wege sind vielfältig: Laut der Newcastle-Studie durchbrach die Mehrheit die Alterskontrolle schlicht mit dem eigenen Konto – die Hürden waren offenbar niedrig. Andere nutzten geliehene oder gefälschte Konten; VPNs und Inkognito-Modus spielten dagegen nur eine kleine Rolle. Die Altersprüfungen der Plattformen reichten von simplen Altersabfragen über Foto-Uploads bis zu Elterngenehmigungen – Systeme, die sich nach Schilderungen vieler Jugendlicher leicht austricksen lassen.
Die Debatte
Kritiker fürchten, das Verbot schütze Kinder nicht, sondern dränge sie in weniger regulierte Ecken des Internets ab. Fachleute verweisen zudem darauf, dass die Wirkung sozialer Medien stark davon abhänge, wie sie genutzt werden – eine pauschale Sperre greife zu kurz. Die australische Regierung hält dennoch an ihrem Kurs fest und setzt darauf, dass die Plattformen ihre Alterskontrollen technisch nachbessern. Für die vielen Länder, die über ähnliche Regeln nachdenken, ist Australien damit ein wichtiger – bislang aber durchwachsener – Praxistest.


