Im Golf von Biskaya, auf dem Meeresgrund vor der französischen Westküste, hat die französische Marine in den vergangenen Wochen zwei Risse im Wrack des Tankers Erika abgedichtet. Ferngesteuerte Unterwasserroboter dichteten die Lecks ab, um zu verhindern, dass weiteres Schweröl austritt. Das berichten unter anderem die Freie Presse und weitere Medien unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa.
Ölverschmierte Vögel als Alarmsignal
Anlass für den Einsatz war ein Befund vom Jahresanfang: An Stränden der Region waren erneut ölverschmutzte Vögel entdeckt worden, woraufhin Umweltschützer Alarm schlugen. Ein direkter Zusammenhang mit dem Wrack ließ sich zunächst nicht zweifelsfrei belegen, dennoch entschied sich die zuständige Seepräfektur, die Lecks vorsorglich zu schließen. Das Wrack der Erika liegt in zwei Teilen auf dem Meeresboden – nach den vorliegenden Berichten in rund 90 und 130 Metern Tiefe. Nach der Katastrophe war zwar der Großteil des Öls abgepumpt worden, doch in schwer zugänglichen Bereichen blieben Reste zurück.
Die Katastrophe von 1999
Die Erika war ein gut 25 Jahre alter Tanker, der im Auftrag des französischen Ölkonzerns TotalFinaElf unterwegs war. Am 12. Dezember 1999 zerbrach das Schiff in einem schweren Sturm im Golf von Biskaya und sank vor der Küste der Bretagne. Rund 20.000 Tonnen Schweröl liefen ins Meer, wie die Aufarbeitung des Falls festhält.
Die Folgen waren verheerend: Über Hunderte Kilometer Küste verklebte das zähe Öl Strände, Felsen und Tiere. Hunderttausende Seevögel verendeten – die Erika-Ölpest gilt bis heute als eine der schwersten Umweltkatastrophen ihrer Art in Europa. Monatelang waren Helferinnen und Helfer damit beschäftigt, verölte Tiere zu reinigen und die Küsten zu säubern.
Ein juristischer Präzedenzfall
Auch juristisch setzte die Havarie Maßstäbe. Französische Gerichte verurteilten den Schiffseigner, die Klassifikationsgesellschaft und den Ölkonzern Total wegen ihrer Verantwortung für die Verschmutzung; das oberste Gericht bestätigte die Haftung schließlich. Der Fall gilt als Wegmarke für die Verantwortung von Unternehmen bei Umweltkatastrophen auf See. Auf europäischer Ebene führte das Unglück zu den sogenannten Erika-Paketen, mit denen die Sicherheitsvorschriften für die Schifffahrt deutlich verschärft wurden.
Wracks als Daueraufgabe
Dass die Erika mehr als ein Vierteljahrhundert nach ihrem Untergang noch Sorgen bereitet, zeigt, wie langlebig die Folgen solcher Unglücke sind. Öl zersetzt sich in versunkenen Wracks nur langsam; Korrosion, Strömungen und Stürme können Rümpfe aufreißen und noch nach Jahrzehnten neue Austritte verursachen. Die aktuelle Aktion der französischen Marine ist damit auch eine Erinnerung daran, dass die Überwachung gesunkener Schiffe eine bleibende Aufgabe des Meeresschutzes ist.



