China steht wieder an der Spitze des Supercomputings. Wie heise online berichtet, führt mit dem System LineShine erstmals seit Jahren wieder ein chinesischer Rechner die Top500-Liste der leistungsstärksten Supercomputer der Welt an.
2,2 Exaflops – und ein Vorsprung von 20 Prozent
LineShine erreicht im maßgeblichen HPL-Benchmark (High Performance Linpack) eine Rechenleistung von 2,198 Exaflops – also rund 2,2 Trillionen Gleitkommaoperationen pro Sekunde. Betrieben wird das System am National Supercomputing Center in Shenzhen. Der bisherige Spitzenreiter, der US-Rechner El Capitan im Lawrence Livermore National Laboratory, kommt auf 1,809 Exaflops und fällt damit auf Platz zwei zurück. Auf Rang drei folgt das ebenfalls amerikanische System Frontier mit 1,353 Exaflops.
Komplett ohne westliche Chips
Das technisch Bemerkenswerte an LineShine ist seine Bauweise: Das System nutzt 45.360 hauseigene LX2-Prozessoren auf Basis der ARM-v9-Architektur mit je 304 Kernen – zusammen knapp 13,79 Millionen Rechenkerne. Grafikprozessoren, wie sie El Capitan und Frontier von AMD beziehen, kommen nicht zum Einsatz. Damit erreicht LineShine die Marke von mehr als zwei Exaflops allein mit Prozessoren. Für die Verbindung der Knoten sorgt ein eigenes Netzwerk namens LingQi, als Betriebssystem läuft der chinesische Linux-Ableger Kylin OS. Der Stromverbrauch liegt bei rund 42,2 Megawatt.
Ein Signal im Chip-Streit
Der politische Hintergrund ist offensichtlich. Die USA haben in den vergangenen Jahren ihre Exportkontrollen für Hochleistungschips – insbesondere für KI-Grafikprozessoren – immer weiter verschärft, um Chinas technologischen Aufstieg zu bremsen. LineShine zeigt, dass Peking diese Beschränkungen mit Eigenentwicklungen zumindest im Bereich der klassischen Höchstleistungsrechner umgehen kann.
Eine Einordnung ist dabei wichtig: Der HPL-Benchmark misst die Leistung bei bestimmten mathematischen Aufgaben. Für KI-Anwendungen, die heute im Zentrum des Technologiewettbewerbs stehen, gelten andere Maßstäbe – und dort liegen Systeme mit spezialisierten Grafikprozessoren weiterhin vorn. Die Botschaft des neuen Spitzenplatzes bleibt dennoch deutlich: Auch ohne westliche Halbleiter lässt sich Rechenleistung auf Weltniveau erzielen.



