Die Bundesverwaltung gibt Jahr für Jahr mehr Geld für die Software eines einzigen US-Konzerns aus – und ein Ende ist nicht in Sicht. Wie heise online berichtet, zahlte der Bund 2025 erstmals mehr als 481 Millionen Euro für Microsoft-Lizenzen. Das ist ein neuer Höchststand.

Beinahe verdoppelt in zwei Jahren

Im Jahr zuvor waren es noch rund 347 Millionen Euro, 2023 lagen die Kosten bei etwa 274 Millionen Euro. Damit hat sich die Summe binnen zwei Jahren beinahe verdoppelt; allein von 2024 auf 2025 stiegen die Ausgaben um rund 38 Prozent. Über den gesamten Zeitraum von 2017 bis 2025 summieren sich die Microsoft-Ausgaben des Bundes nach den jüngsten Angaben auf mehr als 1,9 Milliarden Euro.

Die Zahlen gehen auf eine schriftliche Anfrage des Linken-Abgeordneten Sascha H. Wagner an die Bundesregierung zurück; sie knüpfen an eine frühere Anfrage der Grünen-Abgeordneten Rebecca Lenhard zum Rahmenvertrag der Beschaffungsstelle an. Hinter den steigenden Kosten steht dabei kein entsprechender Zuwachs an Leistung.

„Geld fehlt für die Modernisierung des Staates"

Die Open Source Business Alliance (OSBA) kritisiert seit Jahren genau diese Entwicklung: Die Verwaltung füge sich der Marktmacht eines einzelnen Anbieters, statt in eine echte Modernisierung ihrer IT-Infrastruktur zu investieren. Das Geld, so der Tenor des Verbands, fehle anschließend für souveräne, anpassungsfähige Lösungen, die Behörden bei ihrer eigentlichen Arbeit unterstützen.

Hinzu kommt eine sicherheitspolitische Dimension. Proprietäre Software lässt keine unabhängige Prüfung des Quellcodes zu – ob Behörden im Ernstfall die volle Kontrolle über ihre Systeme behalten, lässt sich damit nicht zweifelsfrei belegen. Zudem unterliegen in US-Systemen gespeicherte Daten potenziell dem Zugriff amerikanischer Stellen, ein Punkt, der angesichts der transatlantischen Spannungen der vergangenen Jahre an Gewicht gewonnen hat.

OpenDesk – die Alternative, die kaum genutzt wird

Mit OpenDesk steht längst eine quelloffene Alternative bereit. Die vom Zentrum für Digitale Souveränität der öffentlichen Verwaltung (Zendis) entwickelte Kollaborationssuite soll Programme wie Word, Outlook und Teams ersetzen. Die Nutzungszahlen sind allerdings ernüchternd: Bundesweit sind laut der Regierungsantwort lediglich 8.756 OpenDesk-Lizenzen im Einsatz.

Mit Abstand größter Anwender ist das Robert-Koch-Institut mit rund 7.900 Lizenzen. Das Bundesministerium für Digitales nutzt 571 Lizenzen produktiv, weitere rund 137 befinden sich in der Pilotphase. Das Auswärtige Amt und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik testen das Paket mit je etwa 70 Lizenzen. Etwas mehr Bewegung gibt es bei der Entwicklerplattform OpenCode, die nach den Angaben rund 5.700 aktive Projekte und etwa 13.500 Nutzer zählt.

Anspruch und Wirklichkeit

Der Kontrast zwischen politischen Bekenntnissen und gelebter Praxis ist groß. Bundesregierung und europäische Partner haben zuletzt wiederholt eine souveräne digitale Zukunft Europas beschworen; ein grundlegender Kurswechsel in der öffentlichen Beschaffung blieb bislang aber aus. Für 2026 hat Microsoft bereits weitere Preiserhöhungen angekündigt. Solange Behörden ihre Abläufe nicht konsequent auf quelloffene Lösungen umstellen, dürfte die Kostenkurve weiter nach oben zeigen.