Volkswagen gibt die Kontrolle über seine Industrietochter Everllence ab. Wie der Spiegel berichtet, verkauft der Konzern die Mehrheit an dem früheren Schiffsmotoren- und Maschinenbauer, der bis 2025 unter dem Namen MAN Energy Solutions firmierte. Die Entscheidung fiel nach Beratungen von Vorstand und Aufsichtsrat am 24. Juni 2026.

Bain Capital setzt sich durch

Um Everllence hatten sich mehrere Finanzinvestoren beworben. Im Rennen waren nach Angaben von Radio Augsburg der schwedische Fonds EQT, der US-Investor Bain Capital und CVC Capital aus Luxemburg. Den Zuschlag erhielt übereinstimmenden Medienberichten zufolge Bain Capital.

Verkauft wird ein Mehrheitsanteil von 51 Prozent; Volkswagen behält 49 Prozent und bleibt damit als Minderheitsgesellschafter an Bord. Zum Kaufpreis gibt es unterschiedliche Angaben: Der Spiegel berichtete von einem Transaktionswert von 7,4 Milliarden Euro. In Finanzkreisen wird der Gesamtwert des Unternehmens auf rund 8,5 Milliarden Euro geschätzt – bei einem 51-Prozent-Verkauf läge das Volumen für den verkauften Anteil rechnerisch bei über vier Milliarden Euro. Eine offizielle Bestätigung des genauen Preises stand zunächst aus.

Was Everllence ist

Everllence hat seinen Hauptsitz in Augsburg und gehört zu den weltweit führenden Herstellern großer Schiffsdieselmotoren. Hinzu kommen Turboverdichter für die Öl- und Gasindustrie, Kraftwerkstechnik und zuletzt verstärkt Großwärmepumpen – ein Wachstumsfeld im Zuge der Energiewende. Das Unternehmen war über die Nutzfahrzeugholding Traton lange Teil des VW-Konzernverbunds.

Geld für den E-Auto-Umbau

Der Verkauf fügt sich in den harten Sparkurs ein, mit dem Volkswagen auf sinkende Gewinne und die kostspielige Umstellung auf die Elektromobilität reagiert. Mit dem Erlös will der Konzern Mittel für Investitionen in Batterietechnik und Elektrofahrzeuge freisetzen und sich stärker auf das automobile Kerngeschäft konzentrieren.

Für die Beschäftigten von Everllence dürften nun Standort- und Arbeitsplatzgarantien im Mittelpunkt stehen – traditionell ein zentrales Anliegen der Arbeitnehmervertretung bei Verkäufen aus dem VW-Konzern. Der endgültige Vollzug des Geschäfts steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigungen und dürfte sich über mehrere Monate ziehen.