Die deutsche Wirtschaft fasst langsam wieder Vertrauen. Der ifo-Geschäftsklimaindex, das meistbeachtete Konjunkturbarometer des Landes, ist im Juni 2026 auf 85,6 Punkte geklettert – nach revidiert 85,0 Punkten im Mai. Damit fiel die Aufhellung etwas kräftiger aus als von Volkswirten im Mittel erwartet.
Die konkreten Zahlen
Der Anstieg speist sich vor allem aus der Gegenwart: Die befragten Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage deutlich besser. Der entsprechende Teilindex stieg auf 87,0 Punkte, nach 86,1 im Mai. Auch der Blick nach vorn hellte sich auf, wenn auch nur leicht – der Index der Geschäftserwartungen legte auf 84,1 Punkte zu, von revidiert 83,9. Dass die Lagebeurteilung stärker zulegte als die Erwartungen, zeigt: Die Unternehmen bewerten das Hier und Jetzt zuversichtlicher, bleiben für die kommenden Monate aber vorsichtig.
Was der Index misst
Hinter der Zahl steht eine der größten Konjunkturumfragen Europas. Jeden Monat befragt das Münchner ifo-Institut rund 9.000 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistung, Handel und Bau. Die Firmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage und ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Aus den Salden berechnet das Institut die beiden Teilindizes; das Geschäftsklima selbst ist ihr Mittel. Die Reihe läuft seit 1972 und gilt als verlässlicher Frühindikator für die Konjunktur.
Warum die Stimmung steigt
Den Stimmungsumschwung führt das ifo-Institut vor allem auf nachlassende Unsicherheit zurück. Nach dem Dämpfer infolge des Iran-Kriegs erholt sich die Stimmung nun den zweiten Monat in Folge. ifo-Präsident Clemens Fuest verwies darauf, dass die Unternehmen ihr Umfeld als weniger unsicher wahrnähmen und auf eine Entspannung der weltpolitischen Lage hofften. Zusätzliche Impulse könnten von der Berliner Politik kommen: Ökonomen rechnen damit, dass ein umfassendes Reform- und Konjunkturpaket das Vertrauen spürbar stärken würde.
Die Lage in den Branchen
Das Bild fiel je nach Sektor uneinheitlich aus. In der Industrie stieg der Index dank verbesserter Erwartungen, während die aktuelle Lage leicht nachgab und die Auftragseingänge rückläufig blieben. Bei den Dienstleistern zeigten sich die Firmen mit dem laufenden Geschäft zufriedener; der Tourismus blieb dagegen schwach. Der Handel verbesserte sich erneut, im Bau hellte sich die Stimmung dank weniger pessimistischer Erwartungen auf – viele Betriebe klagten aber weiter über Auftragsmangel.
Einordnung
„Die deutsche Wirtschaft gewinnt langsam an Zuversicht", fasste Fuest das Ergebnis zusammen. Genau hier liegt der Vorbehalt: Der Aufschwung ruht stärker auf der besseren Bewertung der aktuellen Lage als auf gefestigtem Zukunftsvertrauen. Mit gut 85 Punkten liegt der Index zudem weiterhin klar unter seinem langfristigen Durchschnitt. Von einer durchgreifenden Erholung ist die deutsche Wirtschaft damit noch entfernt – die Juni-Zahlen markieren eher eine Stimmungsaufhellung als eine Trendwende. Risiken bleiben: schwache Auftragslage in Industrie und Bau sowie ein verletzliches geopolitisches Umfeld.



