Eine außergewöhnlich frühe Hitzewelle hat weite Teile Westeuropas erfasst. Ein Hochdruckgebiet zog heiße Luft aus Nordafrika nach Norden und ließ die Temperaturen vielerorts über die 40-Grad-Marke steigen. In mehreren Ländern gilt die höchste Warnstufe.
Was passiert
Besonders dramatisch ist die Lage in Frankreich. Premierminister Sébastien Lecornu meldete seit dem 18. Juni mindestens 40 Tote durch Ertrinken – überwiegend junge Menschen, die in der Hitze Abkühlung in oft unbewachten Gewässern suchten. Wichtig zur Einordnung: Es handelt sich dabei um Ertrinkungsfälle in Verbindung mit der Hitze, nicht um direkte Hitzetote. Über diese Fälle hinaus berichten Behörden vereinzelt von weiteren hitzebedingten Todesfällen; abschließende Opferzahlen liegen noch nicht vor.
In Paris reagierte der Eiffelturm: Das Wahrzeichen schloss früher als üblich, der Zugang zur Spitze wurde eingeschränkt. Auch der Louvre kündigte an, an mehreren Tagen früher zu schließen.
Rote Warnstufe in halb Europa
Frankreich stellte einen Großteil seiner Festland-Departements unter rote Warnstufe, darunter Paris und die gesamte Île-de-France. Italien setzte rund 15 Städte – darunter Rom, Mailand, Florenz und Venedig – auf die höchste Alarmstufe Rot. Spanien gab rote Warnungen für den Süden aus, Portugal weitete Warnungen auf fast alle Distrikte aus. Auch auf dem Balkan und in Großbritannien warnten Behörden vor extremer Hitze.
Die Temperaturen
Die Werte erreichten Rekordniveau. In Spanien wurden am 22. Juni 45,1 Grad in Andújar gemessen, in Frankreich kletterte das Thermometer in der Region Landes auf über 44 Grad, Bordeaux meldete rund 41 Grad. In Paris wurden nahezu 40 Grad erreicht. Die Nächte blieben vielerorts ungewöhnlich warm, was die gesundheitliche Belastung zusätzlich erhöht.
Die Maßnahmen der Städte
Die Behörden griffen zu Notmaßnahmen. In Frankreich blieben hunderte Schulen geschlossen, tausende weitere passten ihre Stundenpläne an. Städte öffneten klimatisierte Räume, riefen zum Trinken auf und richteten ihre Notfallpläne auf besonders gefährdete Gruppen aus. Die Infrastruktur litt unter der Last: In Frankreich waren zeitweise zehntausende Haushalte ohne Strom, im italienischen Turin führten überhitzte Erdkabel zu wiederholten Stromausfällen.
Die Lage in Deutschland
Auch Deutschland steht im Bann der Hitze. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte amtlich in mehr als 100 Kreisen vor starker bis extremer Wärmebelastung. Im Westen und Süden werden bis zu 39 Grad erwartet, lokal sind 40 Grad möglich; der bisherige deutsche Juni-Rekord liegt bei 39,6 Grad aus dem Jahr 2019.
Einordnung
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ordnen die Häufung solcher Extreme klar ein: Der menschengemachte Klimawandel macht Hitzewellen wie diese häufiger, intensiver und länger. Dass eine derart extreme Hitze bereits im Juni auftritt, gilt Fachleuten als weiteres Warnzeichen für die fortschreitende Erwärmung des Kontinents.



