Wer im Juni oder Juli an einer blühenden Linde vorbeigeht, kann den honigsüßen Duft kaum überhören – meist summt der ganze Baum vor Bienen. Genau dann lohnt sich der Griff zum Korb: Aus den kleinen gelblichen Blüten lässt sich ein klassischer Haustee gewinnen. Das Erntefenster ist allerdings kurz, deshalb sollte man den richtigen Moment nicht verpassen.
Wann Lindenblüten erntereif sind
Linden blühen im Hochsommer, je nach Art und Witterung etwa von Juni bis in den Juli hinein. In Deutschland kommen vor allem Winterlinde (Tilia cordata) und Sommerlinde (Tilia platyphyllos) vor; die Sommerlinde blüht meist etwas früher, die Winterlinde einige Wochen später. Erntereif sind die Blüten kurz nach dem Aufblühen – der Wirkstoffgehalt gilt als am höchsten, wenn die Blüten frisch geöffnet sind und intensiv duften. Das Zeitfenster ist knapp: Bei großer Hitze sind die Blüten oft schon nach wenigen Tagen verblüht.
Wie man richtig erntet
Wählen Sie einen trockenen, sonnigen Vormittag, idealerweise nach mehreren regenfreien Tagen – dann sind die Blüten trocken und lassen sich besser konservieren. Geerntet wird nicht nur die Blüte selbst, sondern der ganze Blütenstand samt dem auffälligen, länglichen Hochblatt, das später mit aufgegossen wird. Nehmen Sie nur saubere, gesunde Blüten ohne braune Stellen. Sammeln Sie nicht an stark befahrenen Straßen, wo die Blüten mit Abgasen belastet sein können.
Trocknen und lagern
Breiten Sie die Blüten locker auf einem Tuch oder Gitter aus – luftig und schattig, aber nicht in der prallen Sonne, die Aroma und Inhaltsstoffe bleicht. An warmen Tagen genügt oft die Zimmer- oder Dachbodenluft; alternativ trocknet man bei niedriger Temperatur (etwa 40 Grad) im Backofen oder Dörrgerät. Die Blüten müssen wirklich durchgetrocknet und raschelnd trocken sein, bevor sie in verschließbare Gefäße kommen – sonst droht Schimmel. Lagern Sie sie lichtgeschützt in Stoffbeuteln, Teedosen oder Gläsern.
Wofür Lindenblütentee traditionell genutzt wird
Lindenblütentee ist ein altbekanntes Hausmittel. Traditionell wird er bei Erkältungen eingesetzt: Ihm wird eine schweißtreibende Wirkung nachgesagt, außerdem sollen die enthaltenen Schleimstoffe gereizte Schleimhäute beruhigen und so trockenen Reizhusten lindern können, wie die Apotheken Umschau schreibt. Das sind überlieferte Anwendungen – ein Heilversprechen ist damit nicht verbunden. Bei anhaltenden Beschwerden oder Fieber gehört der Gang zum Arzt vor die Teekanne. Für eine Tasse übergießt man etwa einen Teelöffel getrocknete Blüten mit heißem Wasser und lässt sie fünf bis zehn Minuten ziehen.
Worauf Sie achten sollten
Der wichtigste Punkt: an die Bienen denken. Linden gehören zu den wertvollsten Trachtpflanzen für Insekten – ernten Sie deshalb maßvoll und nie einen ganzen Baum leer, damit genug Nektar für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge bleibt. Lassen Sie summende Zweige in Ruhe. Verwechslungsgefahr besteht kaum, da das charakteristische Hochblatt die Linde gut kenntlich macht – achten Sie dennoch darauf, nur eindeutig bestimmte Bäume zu beernten.



