In Südafrika versuchen Aktivistengruppen seit Längerem, Migrantinnen und Migranten den Zugang zu öffentlichen Krankenhäusern, Kliniken und zuletzt auch Schulen zu verwehren. Im Zentrum steht die Bewegung Operation Dudula – der Name bedeutet auf isiZulu sinngemäß „verdrängen" oder „hinausdrängen". Ein Gericht hat das Vorgehen inzwischen für rechtswidrig erklärt.

Was konkret passiert

Mitglieder von Operation Dudula postierten sich vor öffentlichen Kliniken und kontrollierten den Aufenthaltsstatus von Hilfesuchenden; wer als ausländisch eingestuft wurde, sollte abgewiesen werden. Die Gruppe kündigte zudem an, ähnliche Aktionen vor Schulen durchzuführen, um die Einschulung nicht-südafrikanischer Kinder zu verhindern. Rechtsorganisationen dokumentierten Einschüchterungen und Übergriffe.

Wer dahintersteckt

Operation Dudula ging 2020 während der Corona-Pandemie aus einer Online-Kampagne hervor und wurde 2021 formell gegründet. Seit 2023 ist die Bewegung als politische Partei registriert; an ihrer Spitze steht Zandile Dabula. Anhänger berufen sich auf Südafrikas wirtschaftliche Notlage: Die Arbeitslosigkeit zählt zu den höchsten weltweit, und Zugewanderte werden für fehlende Jobs, Kriminalität und Druck auf knappe öffentliche Dienste verantwortlich gemacht. Fachleute halten dem entgegen, dass Migrantinnen und Migranten überproportional zur Wirtschaftsleistung beitragen.

Warum das Vorgehen illegal ist

Nach südafrikanischem Recht dürfen ausschließlich Einwanderungs- oder Polizeibehörden den Aufenthaltsstatus überprüfen, nicht Privatpersonen. Am 4. November 2025 erklärte Richter Leicester Adams am Obersten Gericht in Johannesburg (Gauteng) die Aktionen für verfassungswidrig und untersagte der Gruppe, Menschen den Zugang zu Gesundheits- und Bildungseinrichtungen zu versperren. Das Gericht verpflichtete zudem Innenministerium und Polizei, die Rechte ausländischer Staatsangehöriger zu schützen. Geklagt hatten mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter Kopanang Africa Against Xenophobia, vertreten durch das Socio-Economic Rights Institute. Die südafrikanische Verfassung garantiert das Recht auf medizinische Notversorgung unabhängig vom Status.

Hintergrund

Xenophobe Gewalt hat in Südafrika eine lange Vorgeschichte. 2008 starben bei landesweiten Angriffen rund 60 Menschen, viele davon aus Mosambik, Simbabwe und Malawi. 2015 kamen mindestens sieben Menschen ums Leben, mehr als 2.000 wurden vertrieben; 2019 richtete sich Gewalt unter anderem gegen nigerianische Staatsangehörige. Viele Zugewanderte stammen aus den wirtschaftlich oder politisch instabilen Nachbarländern Simbabwe und Mosambik.

Reaktionen und Einordnung

Operation Dudula kündigte an, das Urteil zu befolgen, es aber anzufechten. Im Frühjahr 2026 äußerten die Vereinten Nationen und die Afrikanische Menschenrechtskommission laut Human Rights Watch Besorgnis über neue Gewaltwellen und forderten Ermittlungen. Das Gerichtsurteil setzt eine klare rechtliche Grenze, beendet die Spannungen aber nicht: Während Dudula juristisch zurückgedrängt wurde, traten neue Gruppen mit ähnlichen Forderungen auf. Beobachter sehen darin ein strukturelles Problem, das eng mit Südafrikas wirtschaftlicher Krise und der Frage verknüpft ist, wie der Staat Versorgung und Schutz für alle gewährleistet.