Die Girocard, jahrzehntelang als „EC-Karte" bekannt und nach wie vor das beliebteste bargeldlose Zahlungsmittel an deutschen Ladenkassen, soll künftig auch dort funktionieren, wo sie bislang kaum eine Rolle spielt: in den Apps von Händlern und Dienstleistern. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf die zuständige EURO Kartensysteme.

Was geplant ist

Verbraucher sollen ihre Girocard künftig direkt in einer Händler-App hinterlegen und damit bezahlen können – ohne separate Registrierung und ohne Passworteingabe bei jedem Kauf. Mit dem Start der In-App-Zahlungen wird im Frühjahr 2027 gerechnet; einzelne Funktionen wie Hotel- und Mietwagenbuchungen sollen bereits Anfang 2027 möglich sein. Christopher Kirsch, bei EURO Kartensysteme für die Produktentwicklung der Girocard zuständig, sprach von Gesprächen „mit einigen großen Lebensmittelhändlern" über eine Integration. Ein erklärtes Ziel: das Bonusprogramm Payback, das bislang auf Lastschrift und Kreditkarte setzt, für die Girocard zu öffnen.

Wie es funktioniert

Neu ist eine Whitelist-Funktion: Kunden können vertrauenswürdige Händler freigeben, sodass nicht jede Zahlung erneut bestätigt werden muss. Geplant sind außerdem eine Vorautorisierungsfunktion – etwa für Anzahlungen beim Möbelkauf – sowie eine automatische Online-Altersverifikation beim Kauf altersbeschränkter Waren. Technisch setzt die digitale Girocard auf etablierte Verfahren wie ein Secure Element im Smartphone.

Warum das wichtig ist

Im stationären Handel ist die Girocard Marktführer: 2024 wurde sie nach Branchenangaben rund 7,9 Milliarden Mal eingesetzt, bei einem Umsatz von etwa 307 Milliarden Euro; mehr als 100 Millionen Karten sind im Umlauf. Im Online- und App-Handel dagegen dominieren Visa, Mastercard und PayPal – hier war die Girocard bislang praktisch nicht nutzbar. Genau diese Lücke soll geschlossen werden.

Bedeutung für Verbraucher und Handel

Für Kunden entfällt das Anlegen neuer Konten; gezahlt wird mit der vertrauten Karte. Für Händler verspricht das System tendenziell niedrigere Transaktionskosten als bei internationalen Kreditkarten; an der bestehenden Gebührenstruktur soll sich durch die neuen Funktionen laut EURO Kartensysteme nichts ändern.

Einordnung

Getragen wird das Vorhaben von der Deutschen Kreditwirtschaft, dem Spitzenverband der Banken, Sparkassen und Volksbanken. Ob die Aufholjagd gelingt, ist offen: Ein ernsthafter Wettbewerb mit den etablierten Kreditkarten- und Wallet-Systemen erfordert einen langen Atem – und die Bereitschaft großer Händler, die Girocard tatsächlich in ihre Apps einzubauen. Konkrete Partner sind bislang noch nicht offiziell benannt.