Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, zeigt sich zuversichtlich, dass seine Inspektoren wieder Zugang zu den iranischen Atomanlagen erhalten. „Das wird passieren", sagte Grossi laut Euronews. Ob das „übermorgen, in einer Woche oder in zehn Tagen" geschehe, sei wichtig, aber nicht entscheidend. Er berief sich auf ein von den USA und Iran unterzeichnetes Memorandum, das eine Überwachung der nuklearen Aktivitäten durch die IAEA ausdrücklich vorsehe.

Teheran widerspricht

Aus Iran kam umgehend Gegenwind. Außenamtssprecher Esmail Baghaei stellte klar, Besuche der von den US-amerikanischen und israelischen Angriffen getroffenen Anlagen seien nicht geplant. Seit Juni 2025 ist die Behörde von den entscheidenden Anreicherungsanlagen ausgesperrt. Das von den Präsidenten Donald Trump und Massud Peseschkian unterzeichnete Memorandum gilt als brüchigste Stelle der Vereinbarung – Washington und Teheran äußern sich öffentlich widersprüchlich über die Umsetzung.

Der Streit um die Schäden

Über das Ausmaß der Zerstörung gibt es bis heute keine Einigkeit. Unmittelbar nach den Angriffen hatte Grossi vor dem UN-Sicherheitsrat von „schwerem Schaden, aber keinem totalen Schaden" an den Standorten Fordo, Natans und Isfahan gesprochen. An der unterirdischen Anlage Fordo seien Krater sichtbar, die auf bunkerbrechende Munition hindeuteten; das tatsächliche Ausmaß unter Tage könne aber niemand vollständig beurteilen. Damit relativierte die Behörde die Darstellung von US-Präsident Trump, der die Anlagen als „ausgelöscht" und das Programm als um Jahre zurückgeworfen bezeichnet hatte. Grossi selbst hielt es für möglich, dass Iran „in einer Frage von Monaten" wieder Zentrifugen betreiben könne.

Wo ist das Uran?

Besonders heikel ist der Verbleib des angereicherten Materials. Vor den Angriffen verfügte Iran nach IAEA-Angaben über mehr als 400 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran. Ein erheblicher Teil davon dürfte noch in den getroffenen Anlagen liegen, womöglich in Tunneln am Standort Isfahan verschüttet. Wo genau sich das Material befindet, kann die Behörde seit dem Verlust des Zugangs jedoch nicht verifizieren.

Hintergrund: der Zwölf-Tage-Krieg

Die Angriffe waren Teil des sogenannten Zwölf-Tage-Kriegs vom 13. bis 24. Juni 2025. Israel hatte am 13. Juni Militär- und Atomanlagen in Iran bombardiert, Iran antwortete mit Raketen und Drohnen. Am 22. Juni griffen die USA die drei Atomstandorte an; am 24. Juni trat eine von den USA und Katar vermittelte Waffenruhe in Kraft. Iran setzte daraufhin per Gesetz die Zusammenarbeit mit der IAEA aus; die Inspektoren verließen das Land Anfang Juli 2025. Aus dem Atomwaffensperrvertrag ist Iran bislang nicht ausgetreten.

Einordnung

Grossis Aussagen sind eine Gratwanderung: Einerseits bestätigt die IAEA erhebliche Zerstörungen, andererseits dämpft sie Triumphmeldungen und verweist auf große, unverifizierte Uranbestände. Solange Inspektoren keinen Zugang zu Fordo, Natans und Isfahan haben, bleibt die zentrale Frage offen – ob das Material noch dort liegt oder längst verlagert wurde.