Worum es geht
Mit der Panzerbrigade 45 „Litauen" stationiert Deutschland erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges einen Großverband dauerhaft im Ausland. Der Verband wurde 2025 in Dienst gestellt; bis Ende 2027 soll er seine vollständige Einsatzfähigkeit erreichen und dann rund 4.800 Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 200 zivile Beschäftigte umfassen. Die Brigade ist fest in die NATO-Verteidigungsplanung eingebunden und soll die Abschreckung an der Ostflanke des Bündnisses stärken.
Wie Drohnen das Gefecht verändern
Wie sehr sich moderne Kriegsführung gewandelt hat, zeigte die erste große Gefechtsübung der Brigade, „Freedom Shield 2026". Der Tenor der Übung, formuliert vom Kommandeur Brigadegeneral Christoph Huber: Der erste Feindkontakt findet künftig unbemannt statt. Drohnen sind in allen Phasen präsent – von der Aufklärung bis zur Zielbekämpfung.
Eine zentrale Lehre aus dem Ukraine-Krieg ist das „gläserne Schlachtfeld": Durch die ständige Überwachung aus der Luft gibt es kaum noch Verstecke, Truppenbewegungen werden in Echtzeit sichtbar und sofort bekämpfbar. Panzer und Infanterie können sich daher nicht mehr ungeschützt bewegen, sondern müssen sich die Voraussetzungen für ihren Einsatz erst erkämpfen.
Wie die Bundeswehr reagiert
Bei der Übung auf dem Truppenübungsplatz Pabrade – weniger als 20 Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt – kamen mehr als 300 Drohnen zum Einsatz. Geübt wurde das Zusammenspiel von Panzertruppen mit den neuen Fähigkeiten: eigene Drohnen, Drohnenabwehr und elektronische Kampfführung. Ziel sei es, über der eigenen Truppe einen Schutzschirm aufzubauen und den des Gegners zu zerschlagen. Ganz praktisch übernahm die Brigade auch eine ukrainische Taktik: Gitterkäfige als zusätzlicher Schutz gegen Drohnenangriffe auf Kampffahrzeuge. „Wir lernen aus dem, was wir in der Ukraine sehen", so der Tenor – man bereite sich auf Gefechte der Zukunft vor, nicht auf die Kriege der Vergangenheit. An der Übung nahmen rund 2.900 Soldaten aus acht NATO-Staaten teil, davon etwa 2.300 aus Deutschland, mit rund 800 Fahrzeugen.
Der Kontext
Die dauerhafte Stationierung ist Teil der deutschen „Zeitenwende" als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Litauen grenzt sowohl an Russlands hochgerüstete Exklave Kaliningrad als auch an Belarus; die Nähe zur sogenannten Suwałki-Lücke macht das Land zu einem strategisch heiklen Punkt des Bündnisgebiets. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat zuletzt deutlich gemacht, dass er notfalls Soldaten für den Litauen-Einsatz verpflichten will, um die Personalstärke sicherzustellen.
Einordnung
Für die Bundeswehr ist die Brigade ein doppelter Prüfstein: logistisch, weil ein kompletter Großverband samt Infrastruktur im Ausland aufgebaut wird, und konzeptionell, weil das Heer die Drohnen-Kriegsführung erst in die eigene Gefechtsführung integrieren muss. Ob der ehrgeizige Zeitplan bis Ende 2027 hält, wird wesentlich davon abhängen, ob genügend Personal und Material bereitstehen – beides bleibt die offene Flanke des Projekts.



